Ärzte Zeitung, 19.07.2010

Kommentar

Offen reden über HIV - überall!

Von Michael Hubert

Der Befund "HIV positiv" muss kein Todesurteil sein. Vielmehr ist die HIV-Infektion zu einer chronischen Erkrankung geworden. In den Fokus der Medizin bei HIV-infizierten Patienten geraten Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder auch Krebs. Doch das ist nur ein Teil der Realität - nämlich unsere.

Für die meisten von einer HIV-Infektion Betroffenen sieht die Realität nämlich völlig anders aus: Nur ein Bruchteil erhält eine antivirale Therapie, viele bleiben ganz ohne medizinische Versorgung. Im südlichen Afrika und in Asien bedeutet "HIV positiv" noch immer ein Todesurteil.

Fehlendes Geld ist nur eines der Probleme. Sieben Milliarden Euro kostet die Therapie der 15 Millionen Menschen, die wir jetzt brauchen, rechnet die WHO vor. Doch nur fünf Millionen Menschen erhalten die Arzneien. Dabei ist der Geldbetrag nur gering. Für jeden EU-Bürger sind das umgerechnet fünf Cent am Tag. Ein kleiner Preis für gelebte Solidarität.

Doch Geld ist nicht alles. Das Thema HIV darf ebenso nicht totgeschwiegen werden. Vor allem dem früheren südafrikanischen Präsidenten Mbeki hat man hier viel zu viel durchgehen lassen. Dieser Fehler darf jetzt in Osteuropa nicht wieder geschehen. Denn die offene Kommunikation ist der Schlüssel im Kampf gegen HIV.

Lesen Sie dazu auch:
WHO rät weltweit zu früherem Start der HIV-Therapie
Aids-Konferenz rügt mangelndes Interesse
Verdeckte HIV-Epidemie in Osteuropa

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