Direkt zum Inhaltsbereich

WHO rät weltweit zu früherem Start der HIV-Therapie

WIEN (hub). Im Jahr 2009 haben 5,2 Millionen mit HIV infizierte Menschen eine antivirale Therapie erhalten. Nach den neuen WHO-Empfehlungen sind es jedoch 15 Millionen Menschen, die eine solche Therapie benötigen.

Veröffentlicht:

Bei der 18. Internationalen Aids-Konferenz in Wien hat die WHO gefordert, die antivirale Therapie HIV-infizierter Menschen müsse früher beginnen, nämlich bevor sie aufgrund eines geschwächten Immunsystems krank werden. "Ein früherer Therapiestart ermögliche es Menschen mit HIV-Infektion gesünder zu bleiben und länger zu leben", so Dr. Gottfried Hirnschall, WHODirektor HIV/Aids. Die HIV-bedingte Mortalität lasse sich zwischen 2010 und 2015 durch einen früheren Therapiestart um 20 Prozent reduzieren.

Bisher hat die WHO empfohlen, eine antiretrovirale Therapie zu beginnen, wenn die Konzentration der CD4-Zellen unter 200 pro µl sinkt. Nach der neuen, jetzt in Wien vorgestellten Empfehlung, sollte die Therapie bereits ab einem Schwellenwert von 350 CD4-Zellen/µl beginnen. Zur Erinnerung: Gesunde Menschen haben eine CD4-Zellzahl von 1000 bis 1500 pro µl. Mit dem neuen Richtwert bräuchten etwa 15 Millionen Menschen eine Therapie, nach der bisherigen Empfehlung sind es etwa 10 Millionen. Die Kosten der antiviralen Therapie schätzt die WHO für das Jahr 2010 auf rund sieben Milliarden Euro.

Auch weitere Forschung im Bereich HIV ist notwendig, da etwa die Zahl zirkulierender rekombinanter Virusformen zugenommen hat. Das habe eine Analyse von fast 66 000 HIV-1-Proben aus 109 Ländern ergeben, heißt es auf der Kongress-Homepage. Eine stärkere genetische Diversität habe Auswirkungen sowohl hinsichtlich antiviraler Arzneien als auch möglicher Impfstoffe. Eine solche experimentelle Vakzine hat im Tierexperiment zu einer Produktion neutralisierender Antikörper gegen die CD4-Bindungsstelle des HI-Virus geführt. Diese Bindungsstelle ist innerhalb der HIV-1-Familie stark konserviert. Bisher war mit Impfstoffen jedoch keine solche Antikörperantwort induziert worden.

Die Notwendigkeit, unter einer antiviralen Therapie die Viruskonzentration zu bestimmen, hat eine Studie mit rund 100 000 Patienten aus Malawi, Sambia und Südafrika bestätigt. Mit einer Routinekontrolle wurden Resistenzen und Therapieversager deutlich früher entdeckt als ohne. Durch anschließende Therapieumstellung wurde die Sterberate um fast 40 Prozent gesenkt.

Lesen Sie dazu auch: Aids-Konferenz rügt mangelndes Interesse Verdeckte HIV-Epidemie in Osteuropa

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Offen reden über HIV - überall!

Mehr zum Thema

Infektionsschutz

RKI hat Ratgeber zu HIV-Infektion/AIDS aktualisiert

Präexpositionsprophylaxe

HIV-PrEP: Diese Möglichkeiten gibt es

Besonderes Augenmerk auf HBV

HIV und Impfungen: Was beachten, was testen?

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Pityriasis versicolor

© iStock / C5C

Kleienpilzflechte im Sommer

Pityriasis versicolor sicher erkennen und gezielt behandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

© Rasi / stock.adobe.com

Chronische Herzinsuffizienz

HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden
Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

PPAR-Isoform-Selektivität: wissenschaftliche Grundlagen und klinische Relevanz

Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Planegg-Martinsried
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Meist Adenokarzinome

Tipps zur Früherkennung: Warnzeichen für Pankreaskrebs erkennen

AMD-Prävention

Altersabhängige Makuladegeneration: Leitlinie gibt Empfehlungen zum Screening

Lesetipps
Eine Frau zieht einen Kompressionsstrumpf auf ihr rechtes Bein.

© Itana / Stock.adobe.com

Leitlinien-Update

Welcher Kompressionsstrumpf ist der richtige?

Eine Tonsillektomie wird im OP durchgeführt.

© ShvedKristina / stock.adobe.com

Verschiedene Verfahren

Vergleichsstudie: Weniger Schmerzen nach intrakapsulärer Tonsillektomie