Ärzte Zeitung online, 29.07.2012

Aids-Hilfe fordert

Eradikation auch in Deutschland!

Eradikation auch in Deutschland!

Im Zuge der Washingtoner Erklärung zum Ende der Welt-Aids-Konferenz fordert die Deutsche Aids-Hilfe auch Deutschland dazu auf, noch bestehende Missstände in puncto Aids zu beseitigen.

BERLIN (maw). Zum Ende der Welt-Aids-Konferenz in Washington haben die Teilnehmer am Freitag eine Deklaration unterzeichnet, die die Aids-Epidemie weltweit eradizieren möchte.

In der "Washingtoner Erklärung" werden neun dringend notwendige Maßnahmen benannt, darunter Zugang zu Prävention, Behandlung, Versorgung und Beratung, weitere Schritte gegen Stigmatisierung, Diskriminierung und Kriminalisierung von Menschen mit HIV sowie verstärkte Anstrengungen in der Forschung.

Die im internationalen Vergleich sehr erfolgreiche deutsche HIV-Prävention ist laut Deutscher Aidshilfe in Washington mit großem Interesse zur Kenntnis genommen worden.

Carsten Schatz, Mitglied im Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe, nutzte die Plattform in Washington aber auch, um auf Missstände in Deutschland hinzuweisen: "Die deutsche HIV-Prävention ist so erfolgreich, weil sie auf Beteiligung der am stärksten von HIV betroffenen Gruppen setzt und Diskriminierung entgegenwirkt."

Schatz weiter: "Wir wünschen uns, dass dieses Modell in noch mehr Ländern Fuß fasst. Zugleich müssen wir aber noch Lücken im eigenen Land schließen: Menschen in Haft sind von wirksamen Maßnahmen wie Spritzentauschprogrammen ausgeschlossen und haben oft keinen Zugang zu Substitutionstherapien. Drogenkonsumräume retten nachweislich Leben, dürfen aber noch immer in mehreren Bundesländern nicht betrieben werden. Vermeidbare HIV- und Hepatitis-Infektionen werden in Kauf genommen - das ist inakzeptabel."

Des Weiteren fordert Schatz auch mehr finanzielles Engagement für die Wissenschaft: "In der Forschung muss Deutschland seine Anstrengungen erheblich verstärken. Die Konferenz hat bezüglich der Heilung der HIV-Infektion international ein Aufbruchssignal gesetzt."

Wenn Deutschland bei der Finanzierung der Forschung weiter zurückhaltend bleibe, laufe man Gefahr, "abgehängt zu werden". Dabei gebe es vielversprechende Ansätze: "Die ,molekulare Schere', die HIV aus infizierten Körperzellen entfernen kann, wurde vom Hamburger Heinrich-Pette-Institut entwickelt."

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