Ärzte Zeitung, 29.11.2013

New-Era-Studie

Versuch einer funktionalen Heilung von HIV

In der New-Era-Studie werden vier Mechanismen der HIV-Infektion bei bereits Infizierten geblockt - mit erstem Erfolg.

NEU-ISENBURG. Selbst bei erfolgreich behandelten HIV-Patienten besteht noch eine residuale Virämie mit wenigen Virus-RNA-Kopien im Plasma. Sie sind für den raschen Anstieg der Viruslast bei einer Therapiepause verantwortlich. Das Verhindern der residualen Virämie wäre gleichbedeutend mit einer funktionalen Heilung.

Unter der antiretroviralen Kombinationstherapie ziehen sich die Viren in Zellpools zurück. Bestimmte Zellen tragen also das Virusgenom in sich, sind dafür dem Zelltod entgangen und produzieren keine neuen Viruspartikel.

Die Lebensdauer solcher latent infizierter Zellen reicht von wenigen Monaten bis zu über 40 Monaten, erläutert Dr. Eva Wolf von MUC Research München (MMW-Fortschr Med 2013; Suppl1: 24).

Die Größe dieser HIV-Reservoire lässt sich bestimmen. Nach Wolfs Angaben enthalten etwa zwölf Prozent aller infizierten Zellen replikationskompetente Proviren. "Geht man von insgesamt circa 106 latent infizierten Zellen aus, ist nach circa 20 Halbwertszeiten das Reservoir erschöpft."

Bei einer Halbwertszeit von 40 Monaten würde die komplette Elimination über 60 Jahre dauern, bei einer Halbwertszeit von vier bis fünf Monaten würden sieben bis acht Jahre vergehen, bis die HIV-Elimination erreicht wäre, so die Forscherin.

Auf dieser Schätzung beruht die Rationale der New-Era-Studie: Sieben Jahre lang sollen zum einen Patienten mit primärer HIV-Infektion sowie zum anderen Patienten mit chronischer HIV-Infektion unter stabiler HAART (hochaktive antiretrovirale Therapie) eine Fünffachkombination aus verschiedenen Substanzklassen erhalten.

Darunter sind zwei NRTI (Nukleosidale-Reverse-Transkriptase-Inhibitoren), ein Proteaseinhibitor, ein CCR5-Antagonist und ein Integrasehemmer.

Dadurch werden vier Mechanismen der HI-Infektion geblockt: das Andocken der Viren an die Wirtszelle, das Umschreiben der viralen RNA in doppelsträngige DNA (reverse Transkription), die Integration der Virus-DNA ins Wirtsgenom und die Reifung neuer Viruspartikel.

Die 24-Monatsergebnisse haben ein im Vergleich besseres Ansprechen der früh behandelten Patienten mit primärer HIV-Infektion ergeben (IAS 2013, Poster MOPE097). (ner)

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