Ärzte Zeitung online, 22.05.2014
 

Bluterskandal

Bis zu 250 Millionen Euro für Betroffene nötig

Die meisten HIV-positiven Hämophilen sind auf die Entschädigung durch die für sie eingerichtete Stiftung angewiesen. Doch die Gelder reichen nur noch bis 2016. Eine Studie der Stiftung gibt Aufschluss über die Lage der Betroffenen.

NEU-ISENBURG. Zwischen 190 und 250 Millionen Euro werden einmalig benötigt, um die Betroffenen des Bluterskandals der 1980er Jahre bis an ihr Lebensende zu versorgen.

Das prognostiziert die KfW-Bankengruppe, wie es in einer Mitteilung der Stiftung "Humanitäre Hilfe für durch Blutprodukte HIV-infizierte Personen" heißt.

Zum Hintergrund: Die Mittel der Stiftung für die Betroffenen sind voraussichtlich 2016 aufgebraucht. Ob die Stiftung neue Gelder erhält, ist derzeit noch nicht klar. Läuft die Unterstützung aus, hätte das für die HIV-infizierten Bluterkranken schwerwiegende Konsequenzen, wie eine Studie der Stiftung nun deutlich macht.

Nicht nur sind Dreiviertel der Betroffenen inzwischen an Aids erkrankt - derzeit leben noch 550 Personen, etwa 1000 HIV-infizierte Hämophile sind bereits gestorben. Ein Großteil kann ihren Lebensunterhalt nicht selbst finanzieren, weil sie entweder nur stark eingeschränkt oder überhaupt nicht arbeiten können.

Nur 28 Prozent der unter 60-Jährigen kann uneingeschränkt einer Arbeit nachgehen. Die Hälfte der Leistungsempfänger im erwerbsfähigen Alter arbeitet nicht. Das sind nach Angaben der Stiftung doppelt so viele wie noch zu Beginn des Leistungsbezugs im Jahr 1995.

Mehrheit lebt ausschließlich von Stiftungsgeld

Der Studie zufolge müssen 80 Prozent der Leistungsempfänger ausschließlich mit den Mitteln aus der Stiftung ihren Alltag finanzieren. Hinzu kommt, dass die Erwerbsunfähigen aufgrund einer kurzen Arbeitsphase nur kleine Renten erwirtschaften konnten. Diese belaufen sich auf um die 800 Euro pro Monat.

Wie knapp das Geld ist, zeigt auch eine andere Zahl: Jeder Vierte hat im vergangenen Jahr aus Kostengründen auf empfohlene Medikamente verzichtet. Dabei müssen nur fünf Prozent nicht regelmäßig Arzneimittel einnehmen. Fast die Hälfte der Leistungsempfänger (43 Prozent) ist einmal die Woche auf Hilfe anderer Menschen angewiesen, 21 Prozent benötigen täglich Unterstützung.

Viele Betroffene müssten unter sehr schwierigen Bedingungen leben, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der CDU Jens Spahn am Montag. "Daher sind wir weiter in der Pflicht, die Stiftung und ihre Leistungen auch für die Zukunft zu sichern."

In den 1980er Jahren hatten sich Hämophile durch Blutprodukte mit HIV angesteckt. Die Blutpräparate mit dem Erreger waren damals trotz Erkenntnissen über die Gefahren zu spät vom Markt genommen worden.

1995 wurde die Stiftung ins Leben gerufen. 100 Millionen Deutsche Mark stellte der Bund, 90,8 Millionen zahlten sechs Pharmafirmen, weitere Mittel kamen vom Roten Kreuz und den Ländern. (jvb)

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