Ärzte Zeitung online, 22.11.2018

RKI-Zahlen

HIV wird zu selten erkannt

Bei der Eindämmung von Aids erreicht Deutschland das UN-Ziel fast: Es wird zwar zügig und erfolgreich therapiert, aber die Zahl derer, die von ihrer HIV-Infektion nichts wissen, wächst.

Von Marco Mrusek

HIV wird zu selten erkannt

Die Rote Schleife ist weltweit ein Symbol der Solidarität mit HIV-Infizierten.

© oatawa / stock.adobe.com

BERLIN. Bei der Zahl der HIV-Infektionen kann Deutschland größtenteils eine gute Entwicklung vorweisen. Es infizieren sich weniger Menschen in Deutschland mit HIV, die Bereitschaft zu einem Test auf das Virus ist gestiegen und ein größerer Anteil der HIV-positiven Menschen erhält eine antiretrovirale Therapie und liegt unter der Virus-Nachweisgrenze als im Vorjahr.

Das geht aus den aktuellen Zahlen zum Leben mit HIV in Deutschland hervor, die das Robert Koch-Institut am Donnerstag veröffentlicht hat (Epidemiologisches Bulletin 47/2018).

Rund 86.100 Bundesbürger leben mit HIV

Die Zahl der Neuinfektionen hat sich von 2900 im Jahr 2016 auf 2700 im Jahr 2017 verringert. Damit leben 86.100 Menschen mit HIV in Deutschland (siehe nachfolgende Grafik).

Die große Mehrheit der HIV-Infizierten mit gesicherter Diagnose erhält eine antiretrovirale Therapie (92 Prozent) und befindet sich unter der Virus-Nachweisgrenze von 50 Kopien pro Milliliter Blut (95 Prozent der Therapierten).

Hiermit erfüllt Deutschland zwei der drei Zielsetzungen des gemeinsamen Programms für HIV und Aids der Vereinten Nationen.

Dieses hat als Ziel, dass bis 2020 mindestens 90 Prozent aller Menschen mit HIV diagnostiziert sein sollten und von diesen auch wieder mindestens 90 Prozent antiretroviral therapiert sein sollten. Bei mindestens 90 Prozent der Therapierten sollte kein HI-Virus mehr im Blut nachweisbar sein.

Woran es zur Erfüllung der Zielsetzung hapert, ist die wachsende Gruppe von HIV-Infizierten in Deutschland, die nichts von ihrer Infektion wissen.

Seit 2011 ist diese Gruppe von schätzungsweise 10.800 auf 11.400 unbewusst HIV-Positive gestiegen. Diese Menschen erfahren häufig erst von ihrer Infektion, wenn das Immunsystem bereits deutlich geschädigt ist.

Der UN-Vorgabe, dass 90 Prozent der HIV-Infizierten diagnostiziert sein und von ihrer Infektion wissen sollen, hinkt Deutschland damit hinterher. Botsuana, Kambodscha, Eswatini (das bis vor einem Jahr Swasiland hieß), Namibia, Dänemark und die Niederlande sind hier weiter.

Die gesunkene Zahl der Neuinfektionen führt das RKI vorrangig auf eine gestiegene Testbereitschaft in der hauptsächlich betroffenen Personengruppe zurück, den Männern, die Sex mit Männern (MSM) haben. In Profilen von Dating-Apps für MSM würde zunehmend die Möglichkeit genutzt, den HIV-Status sowie das letzte Testdatum anzugeben.

Auch die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geplante Kostenübernahme der Präexpositionsprophylaxe für Risikogruppen durch Krankenkassen soll den Erwartungen zufolge den Rückgang der Neuinfektionen beschleunigen.

Niedrigschwellige Testangebote und freiwillige Selbsttests sieht das RKI denn auch als Lösung an, um mehr HIV-Infizierte über ihre Erkrankung aufzuklären.

Denn immer noch scheuten viele Infizierte den Test aus Angst vor Diskriminierung, fügt die Deutsche AIDS-Hilfe hinzu.

Lesen Sie dazu auch:
RKI-Zahlen: HIV wird zu selten erkannt
RKI: Weniger HIV-Neuinfektionen in Deutschland
Kommentar: Gute Bilanz zu HIV und Aids

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