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Gentherapie

Erster Bericht zu Anwendung von CRISPR bei Patienten

Erstmals berichten Ärzte über die Anwendung der Genschere CRISPR bei einem Patienten. Der HIV-Infizierte hatte eine akute Leukämie. Nebenwirkungen der Gentherapie sind auch nach fast zwei Jahren nicht aufgetreten.

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:
Mit der Genschere CRISPR lassen sich präzise bestimmte DNA-Bausteine umschreiben.

Mit der Genschere CRISPR lassen sich präzise bestimmte DNA-Bausteine umschreiben.

© vchal / Getty Images / iStock

PEKING. Der sogenannte Berlin-Patient hatte offenbart, dass es möglich ist, durch Transplantation hämatopoetischer Spenderzellen, denen natürlicherweise das Gen für den Korezeptor CCR5 für HIV fehlt, einen Infizierten von der Virusinfektion weitgehend zu befreien.

Nach diesem Prinzip sind chinesische Ärzte um Dr. Lei Xu von der Universität Peking mit Hilfe der Genschere CRISPR bei einem 27-jährigen HIV-Patienten mit akuter lymphatischer Leukämie (ALL) im Sommer 2017 vorgegangen, bei dem wegen der Leukämie eine allogene Stammzelltransplantation geplant war (NEJM 2019; online 11. September).

In Vorversuchen war es ihnen gelungen, in 27 Prozent der Stammzellen das CCR5-Gen, das der Aids-Erreger zum Eintritt vor allem in Lymphozyten benötigt, per CRISPR-Cas9 zu entfernen oder durch Einfügungen unschädlich zu machen. Bei Anwendung der Gentechnik bei den hämatopoetischen Spenderstammzellen lag die Effizienz anfangs bei etwa 18 Prozent.

Veränderte Stammzellen

Weil zunächst die genetisch veränderten HLA-kompatiblen Spenderzellen für eine ausreichende Ansiedelung im Knochenmark des Krebspatienten nicht ausreichten, erhielt der zuvor chemotherapeutisch behandelte Patient zusätzlich unveränderte Stammzellen des Spenders, sodass der Anteil von Knochenmarkzellen ohne das CCR5-Gen nur noch bei maximal acht Prozent lag, und zwar über das gesamte Follow-up von 19 Monaten. Die Inaktivierung wurde schließlich in einer ganzen Reihe von hämatopoetischen Zellen nachgewiesen.

Damit haben die chinesischen Ärzte gezeigt, dass per CRISPR-Technik genetisch veränderte Stammzellen sich erfolgreich im Knochenmark ansiedeln und in unterschiedliche Blutzellen weiterentwickeln, ohne diesen Marker zu verlieren.

ALL in kompletter Remission

Die Ärzte betonen, dass durch die genetische Veränderung keine unerwünschte Wirkung aufgetreten sei. Auch 19 Monate nach der Behandlung seien keine anderen (off-targets) als die erwünschte genetische Veränderung durch die CRISPR-Methode gefunden worden.

Die ALL blieb auch nach diesem Zeitraum in kompletter Remission. Um zu prüfen, ob durch die Transplantation von Stammzellen mit fehlendem oder inaktiviertem CCR5-Gen eine antiretrovirale Therapie noch erforderlich ist, stoppten die Ärzte diese Behandlung sieben Monate nach der Transplantation.

Allerdings stieg daraufhin die Viruslast wieder rasch an. Eine Heilung des HIV-Infizierten konnte somit nicht wie erhofft erreicht werden, vermutlich weil die Effizienz der genetischen Veränderung nicht hoch genug war.

Die Ärzte treten der Befürchtung, dass durch ein Ausschalten des CCR5-Gens die Lebenszeit verkürzt wird, mit dem Hinweis entgegen, dass durch die Genveränderung mithilfe von CRISPR-Cas9 nur hämatopoetische Stammzellen betroffen seien.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: CRISPR: Gentechnik nicht überstürzen!

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