Ärzte Zeitung, 11.11.2005

Neuer resistenter Keim aufgetaucht

Die Methicillin-resistenten Staphylokokken sind besonders virulent

REGENSBURG (ple). Ein neues resistentes Bakterium kommt vermehrt in Deutschland vor, vor allem in Bayern: ein Staphylococcus-aureus-Keim, der Methicillin-resistent ist und zudem ein Toxin ausscheidet. Das Gift verursacht rezidivierende Abszesse, Furunkulose und nekrotisierende Pneumonien. Er besitzt ein untypisches Resistenzmuster.

Nach Angaben von Privatdozent Dr. Hans-Jörg Linde aus Regensburg muß auch in Deutschland mit sporadischem und vereinzelt epidemischem Auftreten dieses besonders virulenten Vertreters der Methicillin-resistenten Staphylokokken (MRSA) gerechnet werden (DMW 130, 2005, 2397).

Fast drei von vier Patienten mit Pneumonie durch diesen Keim sterben an den Folgen der Infektion. Das Besondere an dem Bakterium: Es verursacht Abszesse und nekrotisierende Pneumonien auch bei Patienten ohne Risikofaktoren, etwa einem Krankenhausaufenthalt. Häufig gibt es keine Hinweise auf eine Eintrittspforte.

Im Jahr 2004 lag der Anteil des besonders virulenten Bakteriums an der Zahl der erfaßten MRSA bereits bei mehr als einem Prozent. Allein im Jahr 2004 hat Linde in einer eigenen Untersuchung in Ostbayern bei mehr als 150 Patienten diesen Keim nachgewiesen.

Das Bakterium ist gegen Oxacillin und Fusidinsäure resistent, spricht aber zum Beispiel auf Clindamycin oder Co-Trimoxazol plus Rifampicin an. Bei schweren Infektionen sei eine Kombination aus Vancomycin plus Rifampicin oder Linezolid erforderlich, so Linde.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Zeit zum Handeln

Lesen Sie dazu auch:
Strategie mit "Rezept auf Vorrat" reduziert Antibiotika-Verbrauch

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Offenbar liegt‘s am Bauchspeck

Wer genetisch bedingt schon als Kind zu Übergewicht neigt, hat auch ein erhöhtes Risiko für Typ-1-Diabetes. mehr »

Jahrhundert-Chance oder Anmaßung?

Darf der Mensch alles, was er kann? Wieder einmal stellt sich diese Frage, seit in den USA erfolgreich Embryonen-DNA verändert wurde. Zwei Redakteure der "Ärzte Zeitung" diskutieren das Für und Wider. mehr »

Ärzte in Barcelona haben schnell reagiert

Ärzte – vor allem Chirurgen – und Pflegefachkräfte in Barcelona und Tarragona standen nach den Terroranschlägen sofort parat. Zwölf Menschen kämpfen jedoch noch immer um ihr Leben. mehr »