Atypische Pneumonien durch Zoonosen sind noch selten

MANNHEIM (grue). Zoonosen sind wieder stark in den Fokus gerückt - vor allem seit Experten befürchten, von Vogelgrippe-Viren könnte eine neue Influenza-Pandemie ausgehen. Doch auch andere Tierkeime können menschliche Lungen besiedeln. So waren vor zwei Jahren in Jena 300 Einwohner an Q-Fieber erkrankt. Im selben Jahr kam es in Deutschland auch zu einem Psittakose-Ausbruch.

Veröffentlicht:

Erreger des Q-Fiebers ist das gramnegative Bakterium Coxiella burnetii, das beim Einatmen von kontaminiertem Staub aus Heu und Schafwolle Menschen infizieren kann. "Der Erreger ist extrem überlebensfähig und hochvirulent", so Professor Martin Ganter von der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Die Infektion bei Schafen verläuft meist symptomlos, doch haben etwa 40 Prozent der damit infizierten Menschen grippeähnliche Symptome. Das Infektionsrisiko beschränkt sich meist auf Schäfer, Tierärzte und Schlachthofpersonal.

Anders war das im Sommer 2005, als in Jena mehr als 300 Menschen an Q-Fieber erkrankten: Eine mit Q-Fieber infizierte Wanderschafherde weidete direkt neben einem Wohngebiet, und ein starker Wind berieselte die Menschen mit den Erregern, sagte Dr. Katharina Boden aus Jena. Im Umkreis von 50 Metern haben sich zwölf Prozent der Bewohner mit Coxiellen angesteckt. Mit zunehmender Entfernung nahm das Infektionsrisiko dann rasch ab. Nach einer Inkubationszeit von bis zu sechs Wochen haben sich grippeähnliche Symptome entwickelt, so Boden beim Pneumologen-Kongress in Mannheim.

In Jena mussten 22 der an Q-Fieber erkrankten Patienten stationär wegen einer atypischen Pneumonie behandelt werden, so Boden. Zum Nachweis des Erregers gibt es ein Konsiliarlabor für Coxiella burnetii am Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg.

Psittakose - jährlich erkranken bis zu 40 Bundesbürger

Ebenfalls 2005 wurden aus Mitteldeutschland 66 Verdachtsfälle auf humane Psittakose (Papageienkrankheit) gemeldet, von denen elf serologisch gesichert wurden. Nach Angaben von Privatdozent Dr. Klaus Dahlhoff von der Universität Lübeck tritt die von Sittichen und Tauben übertragene Krankheit in Deutschland bei 25 bis 40 Menschen pro Jahr auf. Die Erreger sind aviäre Chlamydien, die ein ähnliches Krankheitsbild wie C. pneumoniae hervorrufen.

Symptome einer Psittakose sind Atemwegsbeschwerden und Fieber, woraus sich eine atypische Pneumonie entwickeln kann. "Besonders bei neurologischen Symptomen oder Leberbeteiligung muss bei Vogelhaltern an eine Psittakose gedacht werden", so Dahlhoff. Behandelt werde meist mit Tetrazyklinen oder Makroliden für mindestens 14 Tage.

Gefahr durch Vogelgrippe ist noch nicht gebannt

Das Vogelgrippe-Virus H5N1 ist für Menschen zwar hochpathogen, für eine Infektion sind jedoch hohe Virendosen nötig. Bislang können sich Menschen damit kaum untereinander anstecken. Es wird daher nach wie vor fast nur durch engen Kontakt mit infiziertem Geflügel übertragen. Entsprechend gering ist die Zahl der Vogelgrippe-Opfer: In den vergangenen Jahren sind insgesamt 277 Menschen vorwiegend in Südostasien durch den Erreger schwer erkrankt, 168 sind an der Infektion gestorben. Das Virus ist dabei längst nicht mehr nur in Asien aktiv: "Von neun durch H5N1 verursachten Todesfällen im Januar und Februar dieses Jahres wurden vier aus Ägypten und Nigeria gemeldet", sagte Professor Gernot Rhode vom Klinikum Bergmannsheil in Bochum. Unverändert hoch ist auch die Letalität der Infizierten: Sie beträgt etwa 60 Prozent. H5N1 führt zu einer progressiven Pneumonie mit Lympho- und Leukopenie, gefolgt von Multiorganversagen.



STICHWORT

Zoonosen

Zoonosen sind Krankheiten, die zwischen Menschen und Wirbeltieren übertragen werden. Erfolgt die Übertragung ausschließlich von Tieren auf Menschen, spricht man gelegentlich auch von Zooanthroponosen, im umgekehrten Fall von Anthropozoonosen. Bei Amphixenosen gibt es Infektionen in beide Richtungen.

Beispiele für Zooanthroponosen sind Vogelgrippe, Q-Fieber, Tularämie, Psittakose, Milzbrand oder Tollwut. Zu den Anthropozoonosen zählt etwa die Amöbenruhr. Beispiele für Amphixenosen sind Bandwurmerkrankungen wie der Rinderbandwurm - hier dienen Rinder als Zwischenwirt. (mut)

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

© David Pereiras | iStock (Symboldbild mit Fotomodell)

Dermatomykosen

Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

© Irina Tiumentseva | iStock

Onychomykosen

Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Umbrella-Review

Welcher Sport bei Depression und Angststörung am besten hilft

Lesetipps
Ein Mann im Hintergrund nimmt einen Schluck von einem Drink. Im Vordergrund stehen vier Flaschen mit alkoholischen Getränken.

© Axel Bueckert / stock.adobe.com

Analyse des Trinkverhaltens

Wie lebenslanger Alkoholkonsum das Darmkrebsrisiko steigert