Ärzte Zeitung, 08.06.2015

Im Tropenwald

Zwei neue Virengruppen entdeckt

BONN. Forscher des Uniklinikums Bonn und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) haben im Tropenwald der Elfenbeinküste zwei neue Virusgruppen innerhalb der Familie Bunyaviridae entdeckt, teilt die Uni Bonn mit.

Bisher waren nur fünf Gruppen bekannt, die für schwere Erkrankungen bei Menschen und Tieren verantwortlich sind und meist durch blutsaugende Insekten verbreitet werden.

Die Virologen konnten an den neuen Virusgruppen nachweisen, dass sich menschliche Krankheitserreger, die durch blutsaugende Insekten übertragen werden, aus Insektenviren entwickelt haben (P Natl Acad Sci USA 2015; online 2. Juni).

Die Familie der Bunyaviridae umfasst fünf verschiedene Virengruppen, die bei Menschen und Tieren ernsthafte Erkrankungen auslösen und auch bei Gemüsekulturen - wie etwa Tomaten - schwere Schäden verursachen können.

Die ersten Viren dieser Familie wurden im Ort Bunyamwera in Uganda entdeckt, von dem sich der Name ableitet.

"Zu den bekanntesten Viren der Bunyaviridae zählt das Rifttalfieber-Virus, das beim Menschen Fiebererkrankungen mit schweren Blutungen verursachen kann", wird Dr. Sandra Junglen vom Institut für Virologie des Universitätsklinikums Bonn und vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung in einer Mitteilung der Uni Bonn zitiert.

Weil die meisten der Bunyaviridae durch blutsaugende Insekten übertragen werden, fing Junglen dort mehr als 7500 Moskitos. Sortiert nach Spezies und Fangort fasste die Wissenschaftlerin die gefangenen Mücken zu 432 Mischproben zusammen. In 26 dieser Proben entdeckten die Forscher Partikel unbekannter Viren.

Es handele sich um zwei bislang völlig unbekannte Virengruppen, die nun Jonchet-Virus und Ferak-Virus benannt wurden. Die Resultate seien wichtig für die Grundlagenforschung.

Durch die Entschlüsselung des Genoms der Viren sei es künftig möglich, das Gefahrenpotenzial unbekannter Viren mit ähnlicher RNA-Sequenz besser einzuordnen. (eb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Blick ins Gehirn offenbart beste Therapie-Option

Einige Depressive sprechen besser auf Verhaltenstherapien an, andere auf Antidepressiva. Ein Blick ins Hirn per fMRT zeigt, welcher Ansatz den meisten Erfolg verspricht. mehr »

Ein steiniger Weg nach Deutschland

Ob geflohen vor Krieg oder eingewandert aus anderen Teilen der Welt: Wer als ausländischer Arzt in einer deutschen Klinik oder Praxis arbeiten will, muss Ausdauer haben – und gutes Deutsch können. mehr »

Milliarden für die Versicherten – Kassen bleiben skeptisch

Erster Aufschlag des neuen Gesundheitsministers: Jens Spahn will gesetzlich Versicherte per Gesetz entlasten. Aus Richtung Kassen weht scharfer Gegenwind. mehr »