Ärzte Zeitung, 22.02.2016

Zika-Impfstoff

Wann kommt der Schutz für Schwangere?

Mit Hochdruck arbeiten weltweit Forscher an einem Impfstoff gegen das Zika-Virus. Wie lange die Entwicklung dauern wird, ist allerdings noch nicht absehbar, sagt Dr. Thomas Breuer vom Impfstoffhersteller GSK.

Von Wolfgang Geissel

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Zika-Gefahr: Forscher hoffen, in wenigen Wochen Klarheit darüber zu haben, ob die Viren wirklich Fehlbildungen bei Neugeborenen verursachen

© Kletr / Fotolia

WAVRE. Vor allem der schnelle Erfolg bei einem Impfstoff gegen Ebola im vergangenen Jahr hat die Hoffnung genährt, dass jetzt auch gegen das Zika-Virus sehr rasch eine Vakzine entwickelt werden kann. Die Situation lässt sich aber nicht vergleichen: Ebola war als tödliche Infektion bereits seit Jahrzehnten stark beachtet und erforscht worden.

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Zika-Vakzine

Von Zika-Viren haben aber selbst viele Infektiologen bis zum aktuellen Ausbruch noch nie etwas gehört. Die Infektionen galten zudem noch bis vor wenigen Monaten als harmlos.

"Irgendetwas muss passiert sein, dass aus dem unbedeutenden Erreger mit wenig beachteten Ausbrüchen in Afrika und Französisch-Polynesien plötzlich eine globale Gesundheitsgefahr mit Millionen Infizierten in Lateinamerika geworden ist", hat Dr. Thomas Breuer, der Chief Medical Officer von GSK Vaccines, bei einer Presse-Veranstaltung im Impfstoffwerk des Unternehmens in Wavre bei Brüssel gesagt.

"Die Situation ist sicher nicht rosig"

Besonders dass Infektionen von Schwangeren wahrscheinlich zu Mikrozephalien und anderen Fehlbildungen bei Neugeborenen führen, hat Gesundheitsexperten alarmiert. Der Verdacht ist zwar noch unbewiesen, immer mehr Fakten sprechen jedoch dafür. Klarheit sollen hier in etwa sechs Monaten Untersuchungsergebnisse von Schwangeren mit durchgemachten Zika-Infektionen in Kolumbien bringen. Bestätigt sich der Verdacht, würde der Impfschutz dringend gebraucht.

"Wir sind aber bei einem Impfstoff gegen Zika wirklich noch ganz am Anfang", hat Breuer zur "Ärzte Zeitung" gesagt. Eine koordinierte Forschung wie beim Ebola-Ausbruch im vergangenen Jahr gebe es noch nicht. "Wir sind noch in dem Stadium, wo jeder seine Fühler ausstreckt und andere fragt, was sie machen", sagte Breuer. Dazu gehören etwa die WHO, die US-National Institutes of Health (NIH), und auch die internationalen Impfstoffhersteller. Besonders in den USA wird viel Geld für die Impfstoffforschung bereitgestellt. Ob es hier aber rasch Ergebnisse geben wird, ist völlig offen. "Ich möchte nicht schwarzmalen, aber die Situation ist sicher nicht rosig", sagte Breuer dazu.

Kleine Arbeitsgruppe sondiert die Lage

Bei GSK gebe es eine kleine Arbeitsgruppe, die momentan die Optionen eruiert. Wichtig ist es, ein Antigen für einen Impfstoffkandidaten zu finden. Eignet sich ein Virus-Partikel? Ist möglicherweise ein Lebendimpfstoff mit abgeschwächten Erregern geeignet? Geprüft werden muss dann, ob eine induzierte Immunität dazu ausreicht, vor der Krankheit zu schützen. Und: Mit welcher Technik kann ein Impferfolg überprüft werden? Bei Ebola seien all diese Fragen im vergangenen Jahr schon geklärt gewesen. Zu ersten Ebola-Impfstoffkandidaten habe es damals bereits Prüfergebnisse gegeben.

Auch das Design möglicher Studien bei Zika-Infektionen ist bisher ungeklärt. Wie stellt man den Impferfolg bei einer Krankheit fest, die im Regelfall harmlos oder sogar ganz ohne Symptome verläuft? "Der ideale Endpunkt wäre hier sicher die Vermeidung von Mikrozephalien", sagte Breuer dazu. Eine solche Studie könne man sich aber schwer vorstellen.

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