Ärzte Zeitung online, 03.04.2017

Schlafkrankheit

Neuer Wirkstoff tötet Erreger

Ein neu entwickelter Wirkstoff tötet gezielt den Erreger der Schlaf- und der Chagas-Krankheit. Das berichten deutsche Wissenschaftler im Fachmagazin "Science". Die Methode könnte auch gegen andere Parasiten wirksam sein.

Neuer Wirkstoff tötet Erreger

Trypanosomen lösen unter anderem die Schlafkrankheit aus.

© Prof. Dr. Ralf Erdmann und Dr. Vishal Kalel, Ruhr-Universität Bochum

MÜNCHEN/BOCHUM Durch modernste Verfahren der Strukturbiologie ist es Forschern aus München und Bochum gelungen, die Schwachstelle des die Schlafkrankheit auslösenden Parasiten auszumachen – und einen passgenauen Wirkstoff zu entwickeln, der den Erreger gezielt tötet.

"Gegen Trypanosomen gibt es bisher nur wenige Medikamente, die noch dazu viele Nebenwirkungen haben, und es breiten sich bereits erste Resistenzen aus", sagte Professor Michael Sattler, Direktor des Instituts für Strukturbiologie am Helmholtz Zentrum München und Lehrstuhlinhaber für Biomolekulare NMR Spektroskopie an der TU München, laut Mitteilung. Die Forschungsergebnisse wurden aktuell im Fachmagazin "Science" veröffentlicht.

Bei der Suche nach Möglichkeiten, den Erreger auszuschalten, habe man sich auf die PEX-Proteine konzentriert, erklärte Sattler. Diese seien schon länger als Zielstrukturen für therapeutische Ansätze diskutiert worden.

Dr. Grzegorz Popowicz fügte hinzu, die PEX-Proteine spielten eine entscheidende Rolle für die Funktion der sogenannten Glykosomen. Das seien kleine Zellorganellen, die der Parasit für seinen Zuckerstoffwechsel benötigt. "Die Idee war, das Zusammenspiel der beiden wichtigen Proteine PEX14 und PEX5 zu verhindern und dadurch den Stoffwechsel der Trypanosomen so massiv zu stören, dass sie nicht überleben können", so Popowicz.

Künftig wollen die Forscher laut Mitteilung die Moleküle weiterentwickeln, damit diese in klinischen Studien getestet und gegebenenfalls zur Herstellung von Medikamenten genutzt werden können. Darüber hinaus untersuchten sie, inwiefern sich die Methode auch für den Einsatz bei anderen einzelligen Parasiten anbiete, die möglicherweise auf ähnliche Proteine angewiesen seien. "Denkbar wäre hier etwa die Bekämpfung von Leishmanien", erklärt Popowicz. In diese Richtung werde man künftig weiterforschen.

Die einzelligen Parasiten Trypanosomen (deutsch: Bohrkörper) sind für verschiedene Erkrankungen vor allem in Lateinamerika und Afrika verantwortlich. Dazu zählt auch die Schlafkrankheit, die durch die Tsetse-Fliege übertragen wird. In ihrem Endstadium fallen die Patienten in einen Dämmerzustand. (eb)

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