Ärzte Zeitung online, 05.03.2018

Studie in Brasilien

Verlässliche Zika-Diagnostik?

Wissenschaftler aus Berlin konnten zeigen, dass molekulare Nachweisverfahren für das Zika-Virus in Brasilien nicht immer verlässlich sind.

BERLIN. "Eine verlässliche Diagnostik der Zika-Virus-Infektion ist unerlässlich. "Aus zwei Gründen brauchen wir eine sichere Labordiagnostik insbesondere in Ausbruchsgebieten wie Brasilien", wird Professor Felix Drexler, der an der Charité in Berlin Zika-Forschung betreibt, in einer Mitteilung des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) zitiert.

Zum einen müssten die Patienten sich unbedingt auf die Diagnose verlassen können. Falsche Diagnoseergebnisse können fatale Folgen haben.

"Wir wissen beispielsweise, dass die Nachfrage nach illegalen Abtreibungen in Lateinamerika während des Zika-Ausbruchs um fast 100 Prozent angestiegen ist", so Drexler in der Mitteilung weiter.

Sichere Diagnosen könnten helfen, solche dramatischen Schritte zu verhindern. Zum anderen hängen Vorsorgemaßnahmen des Gesundheitswesens und die weitere Forschung von verlässlichen Risikoschätzungen ab.

15 Labore in sieben brasilianischen Staaten beteiligt

Derzeit erfolgt der Nachweis einer akuten Infektion vor allem über eine Bestimmung des viralen Erbguts in Blut und Urin. Alle Tests weisen Virus-RNA mit der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) nach.

Ob die Tests die Virus-RNA auch bei sehr geringen Viruskonzentrationen nachweisen können wurde in einer Studie untersucht , an der sich 15 Labore in sieben brasilianischen Staaten beteiligten; eingeschlossen waren die am stärksten betroffenen Regionen (Brazil. Emerg Infect Dis 2018; online 22. Februar).

Jedes Labor erhielt zwölf definierte Proben, die mit den dort gebräuchlichen PCR-Verfahren untersucht wurden. Der Inhalt der einzelnen Proben war dem teilnehmenden Labor nicht bekannt.

Mit dabei waren Zika-positive wie -negative Proben, aber auch solche, die verwandte Viren, die beispielsweise das Dengue-Fieber oder Gelbfieber verursachen, enthielten. Hier sollte sich auch zeigen, wie spezifisch die Ergebnisse sind.

"Wir haben in einigen Laboren sowohl falsch-positive als auch falsch-negative Ergebnisse beobachten müssen", fasst Drexler die Ergebnisse zusammen. Etwa ein Drittel der Labore konnte perfekte Ergebnisse erzielen, hingegen hatten etwa zwei Drittel der Labore zum Teil fehlerhafte Ergebnisse.

Falsch-negative Proben zeigten einen Mangel an Empfindlichkeit des Tests, da sie vorhandene Viren nicht nachweisen konnten. Es kamen außerdem falsch-positive Ergebnisse vor, die auf Kontaminationen oder Fehler in der Handhabung der Tests hinweisen könnten.

Sehr unterschiedliche Resultate bei Schätzung der Viruslast

Dabei sehen die Wissenschaftler diese falsch-positiven Ergebnisse als besonders kritisch, da sie Frauen irrtümlich als infiziert melden. Es zeigte sich außerdem, dass die Schätzung der Viruslast, also der Menge an Virus-RNA im Blut oder im Urin, in den beteiligten Laboren sehr unterschiedliche Resultate ergab.

Bei einigen der beteiligten Labore, so das Fazit, besteht unbedingt Verbesserungsbedarf, was die Diagnostik betrifft. "Man sollte allerdings dazusagen, dass eine Bewertung der Zika-Diagnostik in europäischen Laboren zu ähnlichen Ergebnissen gekommen ist", so Drexler.

Er hält es nun für unabdingbar, weiter in eine verlässliche Diagnostik zu investieren. Mit den Laborleitern aus der Studie sind bereits Wiederholungen geplant, um die Prozesse zu optimieren.

Die Wissenschaftler halten außerdem eine Kombination mit serologischen Tests für sinnvoll, mit denen nach dem achten Tag der Infektion die von der infizierten Person gebildeten Antikörper bestimmt werden können.

Für den frühen Virus-Nachweis bei ersten Krankheitszeichen bleibt die molekulare Nachweismethode erste Wahl. "Es muss eine kontinuierliche Qualitätskontrolle der Zika-Virus-Diagnostik weltweit stattfinden", betont Drexler in der Mitteilung. (eb)

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