Ärzte Zeitung online, 30.04.2018

Ranking

Die schlimmsten Infektionskrankheiten

An keiner Infektionskrankheit sterben in Europa so viele Menschen wie an Influenza. Das zeigt ein Ranking der durch 31 Infektionskrankheiten verlorenen DALYs.

Von Wolfgang Geissel

Die schlimmsten Infektionskrankheiten

Erreger besser abwehren: Die Infektionskrankheit mit den meisten Toten in Europa ist die Influenza.

© ag visuell / stock.adobe.com

STOCKHOLM. Unter den Infektionen in Europa verursacht Influenza die höchste Krankheitslast, berichten Forscher um Alessandro Cassini vom European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC).

Für ein Ranking von 31 ausgewählten Infektionskrankheiten hat das Team dabei die sogenannten DALYs ("disease-adjusted life years") ermittelt.

Mit dieser Maßzahl werden für die jeweiligen Infektionen die durch vorzeitigen Tod verlorenen Lebensjahre und die dadurch krank oder mit Behinderung überlebten Jahre zusammengefasst (Eurosurveillance 2018; online 19. April).

Die Forscher stützten sich dabei auf Meldedaten aus den Jahren 2009 bis 2013 aus den EU-Ländern sowie von Norwegen, Island und Liechtenstein (EEA-Länder).

Senioren über 65 büßten die meisten Jahre ein

Ergebnis: In den fünf Jahren summierte sich in den Ländern der durch die 31 Infektionskrankheiten verursachte Verlust auf 1,4 Millionen DALYs. Gut drei Viertel davon entstanden in den akuten Krankheits-Phasen.

Pro 100.000 Einwohner und Jahr ergab sich ein Verlust von 273 DALYs, wovon etwa 196 durch Tod und 76 durch Krankheit verloren gingen. Senioren ab 65 büßten durch die Infektionen die meisten Jahre ein (24 Prozent aller DALYS) gefolgt von Kindern unter fünf (11 Prozent).

Die höchste Krankheitslast wurde durch Influenza verursacht, die für fast 30 Prozent aller ermittelten DALYs in Europa steht. Den Löwenanteil machen hier die durch Tod verlorenen Lebensjahre aus.

Das gilt auch für Tuberkulose auf Platz zwei mit etwa 20 Prozent der DALYs. Anders bei HIV-Infektionen auf Platz drei (18 Prozent): Betroffene verlieren dabei durch antivirale Therapien zwar nicht mehr so viel Lebenszeit, ihr Leben ist aber viele Jahre durch die chronische Krankheit beeinträchtigt.

Auf Platz vier folgen invasive Pneumokokokken-Krankheiten (11 Prozent). Weitere impfpräventable Krankheiten finden sich auf den Plätzen sieben (Hepatitis B, 2,9 Prozent), neun (Meningokokken-Infekte, 1,7 Prozent) und zwölf (Pertussis, 1,2 Prozent).

Masern liegt zwar nur auf Platz zwanzig (0,2 Prozent). Hier weisen die Forscher aber auf die hohe Fluktuation der Erkrankungszahlen hin.

Für sich genommen hätte zum Beispiel ein Masernausbruch in Bulgarien mit fast 22.000 Betroffenen im Jahr 2010 die Krankheit auf Platz vier des Rankings gleich hinter HIV hochkatapultiert.

Aktionsplan für saisonale Influenza-Impfung gefordert

Die Ergebnisse unterstützen einen Aktionsplan für die saisonale Influenza-Impfung, um die Impfziele bei Senioren, chronisch Kranken, Schwangeren und Menschen in medizinischen Berufen besser zu erreichen, betonen die Forscher. Ein solcher Plan sei im übrigen bereits 2015 vom Europäischen Rat empfohlen worden.

Ebenso können die Zahlen ein Anlass sein, die Impfstrategien gegen invasive Pneumokokken-Infektionen zu überdenken.

So werden nach einer ECDC-Studie die meisten in Europa zirkulierenden Serotypen durch die moderne 13-valente Konjugatvakine abgedeckt.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Die wichtigste Impfung

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