Ärzte Zeitung, 01.10.2012

Schwere Infektionen

Auf das Bauchgefühl ist Verlass

OXFORD (St). Verläuft eine akute Infektionskrankheit bei Kindern schwerer, als es Befunde und Laborwerte nahelegen? Hausärzte sollten hier durchaus auch auf ihr Bauchgefühl vertrauen.

Auf das Bauchgefühl ist Verlass

Krankes Kind: Klinische Befunde und Laborwerte sind bei Entscheidungen zum weiteren Procedere wichtig, aber nicht alles.

© Klaro

Kinder mit Infektionskrankheiten werden dem Arzt oft zu einem Zeitpunkt vorgestellt, zu dem sich typische Symptome noch nicht voll entwickelt haben und die Situation schwer einschätzbar ist.

In einer Praxisstudie wurden bei knapp 4000 Kindern und Jugendlichen bis 16 Jahre mit akuter Infektion die klinischen Befunde dokumentiert, aber auch das Bauchgefühl des Arztes zur Schwere der Erkrankung.

Eine Infektion galt als schwer, wenn innerhalb von mindestens 24 Stunden eine Klinikeinweisung nötig wurde (BMJ 2012, 345: e6144).

Von 3369 Kindern, bei denen aufgrund ihres klinischen Erscheinungsbildes zunächst keine ernsthafte Erkrankung vermutet worden war, wurden sechs später mit einer schweren Infektion stationär aufgenommen.

Körpertemperatur bedeutungslos

Bei zwei der sechs Kinder hätten die zuerst konsultierten Ärzte mit ihrem Bauchgefühl, dass etwas nicht stimmt, und einer darauf basierenden Klinikeinweisung richtig gelegen - 44 Mal habe es in der Studie aber auch aufgrund des Bauchgefühls einen Fehlalarm gegeben.

Am häufigsten berichteten die Ärzte über ein mulmiges Gefühl, wenn aus der Vorgeschichte Krämpfe bekannt waren.

Gleichzeitig wurden sie natürlich durch das Erscheinungsbild des Kindes beeinflusst, etwa wenn es nicht lachte, benommen war oder sich die Atmung verändert hatte.

Ohne Bedeutung war dagegen die Körpertemperatur des Kindes. In ganz besonderem Maß wurde das Bauchgefühl der Ärzte vom Eindruck der Eltern beeinflusst, die jetzige Krankheit verlaufe anders als frühere Erkrankungen.

Quelle: www.springermedizin.de

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