Ärzte Zeitung, 16.07.2013

Cochrane-Analyse

Zink verkürzt die Erkältung

Bei den ersten Symptomen einer Erkältung lohnt sich der Griff zum Zink. Cochrane-Forscher haben bestätigt: Mit Zink ist die Erkältung schneller vorbei.

Von Beate Schumacher

Zink verkürzt die Erkältung

Wer gleich zu Beginn der Erkältung Zink einnimmt, kann die Krankheit um einen Tag verkürzen.

© Picture-Factory/fotolia.com

CHANDIGARH. Forscher der Cochrane Collaboration haben die Datenlage zu Zink und Erkältungen erneut gesichtet - und die Ergebnisse ihres letzten Reviews im Wesentlichen bestätigt: Zink besitzt demnach therapeutische und präventive Effekte.

Für die Cochrane-Übersicht wurden ausschließlich randomisierte placebokontrollierte Doppelblindstudien berücksichtigt (The Cochrane Library 2013, Issue 6 online, 18. Juni). 16 Studien mit 1387 Teilnehmen waren dem Nutzen einer mindestens fünftägigen Therapie gewidmet.

In zwei Studien mit 394 Teilnehmern war eine wenigstens fünfmonatige präventive Anwendung untersucht worden. Im Vergleich zur Cochrane-Analyse von 2011 standen damit drei zusätzliche Therapiestudien zur Verfügung.

Alle Studien waren in Ländern mit hohem Einkommen, hauptsächlich in den USA, durchgeführt worden und hatten (ansonsten) gesunde Kinder und Erwachsene eingeschlossen. Zink war in Form von Sirup, Lutschtabletten oder anderen Tabletten verabreicht worden.

Einen Tag verkürzt

Die Dauer einer Erkältung war signifikant um einen Tag verkürzt, wenn die Patienten innerhalb von 24 Stunden nach den ersten Symptomen mit der Einnahme von Zink begonnen hatten (p = 0,003).

An Tag sieben waren signifikant mehr Patienten beschwerdefrei als mit einer Placebotherapie. Allerdings erwiesen sich Lutschtabletten erst ab einer Dosierung von 75 mg pro Tag als wirksam. Der Schweregrad der Erkältungssymptome wurde durch die Einnahme von Zink nicht beeinflusst.

Bei prophylaktischer Anwendung des Spurenelements, in nur zwei Studien und ausschließlich bei Kindern untersucht, war die Häufigkeit von Erkältungsepisoden signifikant um 36 Prozent reduziert.

Die Kinder fehlten außerdem seltener in der Schule und bekamen weniger Antibiotika (die bei einer unkomplizierten Erkältung ohnehin nicht indiziert sind).

Als Nebenwirkungen der Zinkbehandlung berichteten die Probanden über Übelkeit und mit den Lutschtabletten zusätzlich über schlechten Geschmack im Mund.

"Zink, als Sirup oder Lutschtablette innerhalb von 24 Stunden nach Symptombeginn eingenommen, reduziert die Dauer einer Erkältung", lautet das Fazit der Studienautoren Dr. Meenu Singh, Chandigarh, und Dr. Rashmi R. Das, Neu Delhi.

Tagesdosis von 75 mg empfehlenswert

Wegen der großen Heterogenität zwischen den einzelnen Studien sei aber gewisse Vorsicht geboten. Um auf der sicheren Seite zu sein, sollte man Lutschtabletten in einer Tagesdosis von mindestens 75 mg anwenden.

Empfehlungen zum prophylaktischen Einsatz wollen Singh und Das aufgrund der mageren Datenlage nicht geben. Generell müsse der wahrscheinliche Nutzen von Zink gegen seine Nebenwirkungen - unangenehmer Geschmack und Übelkeit - abgewogen werden.

Wie Zink gegen Erkältungen wirken könnte, ist noch nicht geklärt. In-vitro-Tests deuten darauf hin, dass es die Replikation von Rhinovirenunterdrückt.

Möglicherweise verhindert Zink auch die Anheftung der Viren an ICAM-1-Rezeptoren im Nasenepithel. Außerdem wird spekuliert, dass Zink das Immunsystem vorteilhaft beeinflussen kann.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Sechs statt sieben Tage

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