Ärzte Zeitung online, 19.09.2019

RKI warnt

Erhöhte Gefahr durch Hantaviren

In Deutschland häufen sich Erkrankungen durch Hantaviren. Erstmals seit langem besteht sogar der Verdacht auf einen Todesfall. Das Robert Koch-Institut warnt.

Von Wolfgang Geissel

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Possierlich und gefährlich: Rötelmäuse können vor allem über Ausscheidungen die Viren verbreiten.

© HPE / stock.adobe.com

NEU-ISENBURG. In Deutschland häufen sich Erkrankungen durch Hantaviren, berichtet das Robert Koch-Institut (RKI). Bis Ende August sind den Angaben zufolge bundesweit bereits 1184 Fälle von Hantavirus-Erkrankungen gemeldet worden. Im Vorjahreszeitraum waren es nur 123 gewesen.

Gut zwei Drittel der Erkrankungen (Stand Mitte September) traten in diesem Jahr in Bayern und Baden-Württemberg auf (siehe nachfolgende Tabelle). In Bayern ist zudem ein junger Mann mit nachgewiesener Hantavirus-Infektion gestorben.

Ob das Virus wirklich zum Tod beigetragen habe, sei jedoch noch nicht abschließend geklärt, wird das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in einem Bericht des „Bayerischen Rundfunks“ zitiert.

Rötelmäuse haben sich stark vermehrt

Die Häufung der Erkrankungen in diesem Jahr ist nicht ungewöhnlich. Die Inzidenz steigt regelmäßig in Jahren mit Massenvermehrung von Rötelmäusen an. Die Nager sind die häufigsten Überträgern der Viren. Hantavirus-Wellen gab es auch in den Jahren 2007, 2010, 2012, 2015 und 2017. Rekordwerte wurden dabei 2012 verzeichnet, mit insgesamt 2825 gemeldeten Fällen im ganzen Jahr (siehe nachfolgende Grafik).

Fokus der Infektionen sind zum Beispiel die Schwäbische Alb, der Bayerische Wald, Unterfranken und der Spessart. Weitere Brennpunkte sind das Münsterland und die Region Osnabrück.

In Deutschland manifestieren sich Hantavirus-Erkrankungen meist als milde Form von Hämorrhagischem Fieber mit renalem Syndrom (HFRS). Dieses wird vor allem von dem Puumala-Virustyp (PUUV) verursacht, der in Süd- und Westdeutschland dominiert. Die Inkubationszeit der Erkrankung beträgt in der Regel zwei bis vier Wochen.

Symptome bei Hantavirus-Verdacht

  • akuter Krankheitsbeginn mit Fieber >38,5 °C sowie
  • Rücken-Schmerzen und/oder Kopf- und/oder Abdominalschmerzen,
  • Protein- und/oder Hämaturie,
  • Serumkreatinin-Erhöhung,
  • Thrombozytopenie und
  • Oligurie beziehungsweise nachfolgend Polyurie.

Die HFRS-Leitsymptome sind hohes Fieber, Myalgien, Kopfschmerz, gastrointestinale Beschwerden und akutes Nierenversagen mit Proteinurie und/oder Hämaturie, Serumkreatinin-Erhöhung und Thrombozytopenie.

Einer Oligurie folgt eine Polyurie in der möglicherweise mehrwöchigen Rekonvaleszenz. Jeder Verdacht auf eine Hantavirus-Erkrankung sollte serologisch abgeklärt werden, betont das RKI.

Keine Impfung und keine Therapie

Gegen Hantavirus-Infektionen gibt es weder eine Impfung noch eine spezifische Therapie. Zur Prävention ist daher der Kontakt mit Mäusen zu vermeiden. Eine wichtige Infektionsquelle ist die Inhalation von Staub mit Aerosolen aus Mäuse-Kot oder -Urin.

Beim Reinigen von Scheunen, Schuppen, Ställen oder Häusern mit möglichem Nagerbefall sollte man daher Mundschutz und Einmalhandschuhe tragen und mit Wasser-Benetzung einer Staubentwicklung vorbeugen.

Erkrankte werden symptomatisch behandelt. Gegebenenfalls ist eine intensivmedizinische Therapie nötig, um die Blutungen zu beherrschen und den Kreislauf zu stabilisieren. Bei akuter Niereninsuffizienz kann eine Dialyse nötig sein.

Die Letalität liegt bei Erkrankungen durch PUUV-Infektionen deutlich unter einem Prozent. Bei moderaten bis schweren HFRS-Verläufen sterben 5 bis 15 Prozent der Betroffenen.

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