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Studie

Cranberry-Kapseln schützen nicht vor Harnwegsinfekten

Bei vielen Pflegeheimbewohnerinnen lässt sich eine Bakteriurie in Kombination mit einer Pyurie nachweisen. Eine regelmäßige Einnahme von Cranberry-Kapseln scheint daran nichts zu ändern.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht:

NEW HAVEN.Das in Cranberries enthaltene Proanthocyanidin konnte in Untersuchungen verhindern, dass sich E.-coli-Bakterien an Urothelzellen festsetzen. Dank dieser Wirkung soll der Verzehr der Großfrüchtigen Moosbeere zur Vorbeugung von Harnwegsinfektionen beitragen. Eine Cochrane-Analyse aus dem Jahr 2012 hat der Beere allerdings keinen Nutzen zugesprochen.

Eine vor Kurzem im "Journal of the American Medical Association" veröffentlichte randomisierte kontrollierte Studie der Yale School of Medicine bestätigt dieses Ergebnis: Bei Pflegeheimbewohnerinnen, die Cranberry-Kapseln schluckten, war ebenso häufig eine Bakteriurie in Kombination mit einer Pyurie nachzuweisen wie in einer Vergleichsgruppe mit Placebokapseln (JAMA 2016, online 27. Oktober).

Therapieadhärenz bei 80 Prozent

Studienteilnehmerinnern waren 185 Frauen im mittleren Alter von 86 Jahren, die noch in der Lage waren, Mittelstrahlurin abzugeben. Bei fast jeder dritten Teilnehmerin konnten schon bei Studienbeginn in Urinproben mehr als 105 koloniebildende Einheiten pro Milliliter von ein oder zwei Spezies sowie Leukozyten nachgewiesen werden. 92 Frauen erhielten zweimal täglich eine Kapsel mit zusammen 72 mg Proanthocyanidin, was etwa 600 ml Cranberrysaft entspricht, die anderen 93 bekamen Placebokapseln. Während der ein Jahr dauernden Studie starben 33 Teilnehmerinnen, die Therapieadhärenz lag bei 80 Prozent.

Alle zwei Monate wurde eine Urinprobe genommen: Eine Bakteriurie in Kombination mit einer Pyurie wurde in der Cranberrygruppe bei 25,5 Prozent und in der Placebogruppe bei 29,5 Prozent festgestellt. Unter Berücksichtigung von fehlenden Daten und von vordefinierten Einflussfaktoren wie Urinstatus zu Beginn, Alter und Begleiterkrankungen wurden die Anteile aber auf 29,1 und 29,0 Prozent korrigiert, der Unterschied war nicht signifikant.

Auch symptomatische Harnwegsinfekte traten in der Verumgruppe nicht signifikant seltener auf (10 versus 12). Die übrigen sekundären Endpunkte – Tod, Krankenhauseinweisungen, Bakteriurie mit mehrfach resistenten Erregern und Antibiotikaverordnungen generell beziehungsweise wegen Harnwegsinfekten – waren ebenfalls unterschiedslos.

Nicht weniger E.-coli-Isolate

Entgegen dem postulierten Wirkmechanismus der Cranberry-Kapseln hatte sich der Anteil von E.-coli-Isolaten in den Urinproben der Verumgruppe über die Zeit nicht vermindert.

Mit dieser und früheren Studien gebe es "überzeugende Evidenz", so Lindsay E. Nicolle von der Universität Manitoba in einem begleitenden Editorial, "dass Cranberryprodukte nicht als medizinische Intervention zur Prävention von Harnwegsinfekten empfohlen werden sollten". Natürlich stehe es jedem frei, Cranberryprodukte für was auch immer einzusetzen. Aber: "Mediziner sollten ihre Anwendung nicht fördern. Ärzte, die das tun, erweisen ihren Patienten einen Bärendienst."

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