Ärzte Zeitung, 11.10.2005
 

Erfolg mit Virustatikum bei Hepatitis B bestätigt

Mit Adefovir HBe-Ag-Serokonversion bei 43 Prozent der Patienten in drei Jahren / Zeichen stabiler Virussuppression  

KÖLN (grue). Bei 70 Prozent der Patienten, die chronisch mit Hepatitis- B-Viren (HBV) infiziert sind, wirkt die Interferon-Kurzzeittherapie nicht ausreichend, oder sie wird schlecht vertragen. Eine Alternative ist die Langzeittherapie mit Virustatika, zum Beispiel mit dem Nukleotidanalogon Adefovir.

Adefovir (Hepsera®) senkt die Viruskonzentration im Blut und fördert die Bildung von anti-HBe-Antikörpern. Eine solche Serokonversion geht meist mit normalisierten Leberwerten einher und wird bei 29 Prozent der mit Adefovir behandelten Patienten binnen zwei Jahren erreicht.

Ein ähnliches Ergebnis werde zwar mit pegyliertem Interferon-alfa schon nach einem Jahr erreicht, aber diese Therapie belaste die Patienten stärker, sagt Privatdozent Thomas Berg vom Virchow-Klinikum in Berlin. Am besten wirke Inferferon bei Patienten mit HBV vom Genotyp A, jeder zweite Patient erreiche damit eine Serokonversion, sagte Berg bei einer Veranstaltung des Unternehmens Gilead in Köln.

Patienten mit anderen Virustypen sprechen nach seinen Angaben nicht ausreichend auf Interferon an oder wechselten schon früh wegen unerwünschter Wirkungen auf eine andere Substanz.

Zur Therapie bei HBV sind Lamivudin und Adefovir verfügbar. Für Adefovir sprechen aktuelle Drei-Jahres-Daten aus einer auf fünf Jahre angelegten Nachbeobachtung der Zulassungsstudie mit HBeAg-positiven Patienten. Bei ihnen stieg im Lauf der Adefovir-Therapie die Serokonversionsrate stetig an und liegt jetzt bei 43 Prozent. "Bei mehr als der Hälfte der Patienten ist keine HBV-DNA mehr nachweisbar", sagte Berg.

Zudem hätten sich bei 81 Prozent die Leberwerte gebessert. Die Serokonversionen dürften stabil bleiben, so Berg, "besonders wenn die Patienten noch für sechs bis zwölf Monate weiterbehandelt werden". Das orale Adefovir sei einfach anzuwenden und zudem gut verträglich. Patienten könnten damit von Anfang an oder aber nach einer Interferon-Therapie behandelt werden.

"Wer binnen weniger Wochen nicht auf Interferon anspricht, wird damit später kaum eine Serokonversion erreichen und ist deshalb ein Kandidat für die Virustatika-Therapie", sagte Berg.

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