Ärzte Zeitung, 20.09.2006

Bereits jedes zweite Kleinkind ist gegen Varizellen geimpft

Vorsitzender der Impfkommission zieht positive Bilanz / Studien bestätigen Komplikationsrate durch Varizellen / GKV zahlt bundesweit

EISENACH (eis). Eine positive Bilanz zur Windpockenimpfung haben Impfexperten aus Deutschland gezogen. Zwei Jahre nach Aufnahme in den allgemeinen Impfkalender liegen die Impfraten schon bei über 50 Prozent, hat Professor Heinz- Josef Schmitt aus Mainz gesagt. "Das ist ein großartiger Erfolg, auch im internationalen Vergleich."

Kleinkind mit Varizellen-Erkrankung. Viele der gebildeteten Windpockenbläschen sind stark entzündet. Foto: DGK

Als die Ständige Impfkommission (STIKO) 2004 empfohlen hatte, alle Kinder im Alter von 12 bis 14 Monaten gegen Varizellen zu impfen, sei das zunächst schwer zu vermitteln gewesen, sagte Schmitt beim Wartburg-Kolloquium in Eisenach. Mit einer Inzidenz von mehr als 700 000 Erkrankungen pro Jahr waren Windpocken bis dahin die häufigste durch Impfen vermeidbare Erkrankung. "Varizellen wurden jedoch vielfach als Banalität angesehen", so STIKO-Vorsitzender Schmitt.

Daß dem nicht so ist, hat eine Studie der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten (DVV) ergeben. In der EVITA-Studie waren von Ärzten Angaben zu Krankheitsverläufen bei 1334 Kindern mit Windpocken erhoben worden.

Das Ergebnis: bei 16,3 Prozent gab es schwere Verläufe - Fieber über 40°C oder über 14 Tage Krankheitsdauer -, bei 5,7 Prozent Komplikationen - etwa bakterielle Superinfektionen an der Haut - und bei 0,8 Prozent Klinikeinweisungen. Die Ergebnisse seien zunächst angezweifelt worden, hat Professor Peter Wutzler aus Jena berichtet. Weitere Studien hätten diese Komplikationsrate inzwischen jedoch bestätigt, so der DVV-Präsident.

So hat die Erhebungseinheit für seltene pädiatrische Erkrankungen in Deutschland (ESPED) 2003 und 2004 wegen Varizellen-Infektionen eine Rate von 17,4 Klinikeinweisungen pro 100 000 Personen und Jahr ermittelt. Das entspreche etwa 2340 Klinikeinweisungen, so Wutzler. In einer weiteren Studie mehrerer Kassenärztlichen Vereinigungen habe der Anteil von komplizierten Verläufen zwischen 2,2 und 5,6 Prozent gelegen, und damit nicht wesentlich unter den Zahlen der EVITA-Studie.

Inzwischen wird die Impfung in ganz Deutschland von der GKV bezahlt. Die Zahl abgegebener Impfdosen habe sich von 30 000 im Jahr 2003 auf etwa 565 000 in diesem Jahr erhöht, so Wutzler: "Das spricht für eine gute Akzeptanz der Impfung."

Weitere Informationen im Internet: www.rki.de, Infektionsschutz / Impfen

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »