Direkt zum Inhaltsbereich

Schlechter Start ins Masernjahr 2009

HAMBURG (eis). Den ersten Masernausbruch dieses Jahres in Deutschland gibt es in Hamburg. Impfexperten mahnen inzwischen dringend Nachholimpfungen in Schulen an, um ältere Kinder und Jugendliche zu erreichen. Sonst werde es eine Elimination von Masern in Deutschland nicht geben.

Veröffentlicht:
Immer mehr ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene erkranken an Masern - eine Impfung beugt vor.

Immer mehr ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene erkranken an Masern - eine Impfung beugt vor.

© Foto: Bilderbox

Deutschland hat sich bekanntlich dazu verpflichtet, das WHO-Ziel einer bis zum Jahr 2010 anvisierten Masern-Elimination in Europa zu unterstützen. Um das Ziel zu erreichen, dürften aber nur bis zu 85 Masern-Erkrankungen jährlich bei uns auftreten. Bis Ende Januar sind in diesem Jahr aber schon 61 Erkrankungen an das Robert-Koch-Institut gemeldet worden, knapp die Hälfte davon aus Hamburg.

Ausbruch begann in einer Klinikambulanz

Das Szenario in der Hansestadt ist dabei typisch für die in Deutschland registrierte Altersverschiebung der Masern: Der Anteil der Kleinkinder an den Erkrankten geht zurück und immer häufiger sind ältere Kinder, Jugendliche oder Erwachsene betroffen. Indexfall in Hamburg war ein 27-jähriger Mann, meldet der Impfbrief-online. Der Mann habe zwischen Weihnachten und Neujahr mit einem fieberhaften Infekt die Notfall-Ambulanz eines Krankenhauses aufgesucht. Ein Mitarbeiter der Klinik sowie weitere Erwachsene im Wartebereich der Ambulanz hätten sich angesteckt. Trotz postexpositioneller Impfungen seien dann Familienangehörige von Masernpatienten erkrankt. Das Institut für Hygiene und Umwelt meldet jetzt, dass sich die Infektionen besonders unter ungeimpften Kindern und Jugendlichen weiter ausbreiten.

Mehr als 30 Wochen hatte ein Masernausbruch vor drei Jahren in Duisburg mit 614 Erkrankten gedauert, den Experten um Ole Wichmann vom Robert-Koch-Institut in einer Studie analysiert haben (Bull World Health Organ 87, 2009, 108). Zwei Kinder waren damals gestorben und 95 mussten wegen Komplikationen in die Klinik.

Bei 28 Prozent war Impfung verweigert worden

Interviews mit 464 Betroffenen und ihren Eltern ergaben, dass 80 Prozent der Patienten nicht und weitere 14 Prozent nur einmal gegen Masern geimpft waren. Als Gründe für den fehlenden Impfschutz wurden von 36 Prozent "vergessen" und von 28 Prozent "Impfung abgelehnt" angegeben. Weitere 17 Prozent gaben an, dass der Arzt von einer Masern-Impfung abgeraten habe. 13 Prozent der betroffenen Kinder waren zudem für den Impfschutz noch zu jung.

Grund für den Ausbruch war eine Akkumulation von ungeimpften Menschen in Duisburg, ist das Fazit der Epidemiologen. Unverzügliche bundesweite Nachholimpfungen bei älteren Kindern und Jugendlichen seien erforderlich, um kritische Impflücken zu schließen.

Mehr Infos zur Masernimpfung unter www.impfbrief.de

Mehr zum Thema

Personalisierte mRNA-Therapien

Verheißungsvolle RNA-Krebsimpfstoffe: Wo steht die Forschung gerade?

Allgemeinmediziner gibt Tipps

Ohne MFA läuft wenig: Was beim Impfmanagement wichtig ist

Das könnte Sie auch interessieren
Vier Einwände von Herzpatienten im Evidenzcheck

© imran kadir photography | Getty Images

Impfskepsis in der Praxis

Vier Einwände von Herzpatienten im Evidenzcheck

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Gut organisiert in die Grippesaison starten

© Abraham Gonzalez Fernandez | Getty Images

Impfmanagement

Gut organisiert in die Grippesaison starten

Anzeige | Viatris Germany GmbH
„Motivational Interviewing“ in der Impfberatung

© SrdjanPav | Getty Images

Impfkommunikation

„Motivational Interviewing“ in der Impfberatung

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
 Abb. 1: Anwendung von Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1,8]

Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

Topische steroidfreie Behandlungsoption bei atopischer Dermatitis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Incyte Biosciences Germany GmbH, München
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz
Abb. 1: Vorteile von Vamorolon

© Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH, modifiziert nach [3−5, 6]

Duchenne-Muskeldystrophie (DMD)

Neue Perspektiven für die Versorgung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

ASS und P2Y12-Inhibitoren

So geht die Plättchenhemmer-Therapie in der Praxis!

Personalisierte mRNA-Therapien

Verheißungsvolle RNA-Krebsimpfstoffe: Wo steht die Forschung gerade?

Lesetipps
Eine Ärztin tropft Allergielösung auf den präparierten Unterarm einer Patientin für den Pricktest.

© Alexander Raths / stock.adobe.com

Steigende Prävalenz

Allergiediagnostik: Dos und Don’ts für die Hausarztpraxis

Nahaufnahmes eines Arzt der mit einem Blutdruckmessgerät den Blutdruck des Patienten misst.

© wutzkoh / stock.adobe.com

QUADRO-Daten

Behandlungsresistente Hypertonie: Vier-in-Eins-Kapsel schlägt Dreier-Einzelkombi