Ärzte Zeitung, 12.06.2009

Hepatitis-Kombivakzine ist für viele Reiseländer die beste Wahl

Ungeschützte Reisende laufen Gefahr, sich in Endemieländern mit Hepatitis zu infizieren. Die WHO rät daher, alle Menschen, die in solche Länder reisen, gegen Hepatitis A und B zu impfen.

Von Dagmar Jäger-Becker und Wolfgang Geissel

Hepatitis-Kombivakzine ist für viele Reiseländer die beste Wahl

Jugendlichen fehlt oft die Hepatitis-B-Impfung, die sich gut aus Anlass einer Reise nachholen lässt.

Foto: dpa

BUDAPEST. Mehrere Hepatitis-A-Ausbrüche in Mittel- und Osteuropa haben kürzlich wieder deutlich gemacht, dass ein Infektionsrisiko mit dem Hepatitis-A-Virus (HAV) nicht nur in fernen Ländern besteht, wie Professor Hans Dieter Nothdurft aus München betont hat.

HAV wird zudem häufig von ungeimpften Reiserückkehrern aus Endemiegebieten eingeschleppt und kann sich in der heimischen Bevölkerung ausbreiten. Ansteckungsgefahr über kontaminierte Lebensmittel wie Salat oder Meeresfrüchte sowie durch engen Kontakt mit Infizierten bestehe sowohl bei Trekking-Touren als auch im 5-Sterne-Hotel, sagte Nothdurft beim 11. Internationalen Kongress für Reisemedizin (CISTM) in Budapest. Ein HAV-Infektionsrisiko gibt es nicht nur in Asien oder Afrika, sondern auch in Süd- und Osteuropa. Südlich der Alpen und östlich der Oder wird daher nach einer Faustregel zum Hepatitis-A-Schutz geraten.

Global betrachtet sind die Regionen mit erhöhtem Vorkommen von Hepatitis A und B weitgehend identisch. HBV, das vorwiegend über Blut oder andere Körperflüssigkeiten übertragen wird, führt bei bis zu 50 Prozent von infizierten Kindern im Alter unter fünf Jahren zu einem chronischen Verlauf. Bei Erwachsenen verlaufen 5 bis 10 Prozent der Infektionen chronisch. Etwa jeder vierte der chronisch Infizierten entwickelt eine Leberzirrhose mit dem Risiko eines hepatozellulären Karzinoms.

Hepatitis B verläuft bei 5 bis 10 Prozent der Erwachsenen chronisch.

Wie hoch das persönliche HBV-Infektionsrisiko auf Reisen ist, sei schwer abzuschätzen, sagte Professor Robert Steffen aus Zürich bei der von GlaxoSmithKline unterstützten Veranstaltung. Bis zu drei Prozent der Reisenden werden unterwegs medizinisch behandelt, wodurch zum Beispiel das Infektionsrisiko erhöht ist. Stark erhöht ist das Risiko bei Geschlechtsverkehr mit Einheimischen in Endemieländern.

Der Hepatitis A/B-Kombinationsimpfstoff Twinrix® bietet Reisenden doppelten Schutz. Er erzielt ähnlich hohe Antikörper-Titer wie die monovalenten Impfstoffe. Nach Angaben von Steffen verhilft die kombinierte Impfung oft auch Non-Respondern auf die Hepatitis-B-Impfung noch zu einem ausreichenden Impfschutz (wir berichteten).

Geimpft wird bei Kindern und Erwachsenen nach dem Schema 0-1-6 Monate. Reisende gilt es darauf hinzuweisen, dass der Impfschutz nach der ersten Dosis noch nicht ausreicht. Für kurz entschlossene "last-minute"-Reisende eignet sich das Schnellschema 0-7-21 Tage plus eine Auffrischimpfung nach 12 Monaten. Generell gilt auch bei einem bis zu zehn Jahren unterbrochenen Impfschema: Bei Erwachsenen zählt jede Impfung, so Steffen. Impfschutz gegen Hepatitis A und B besteht nach der Grundimmunisierung mehr als zehn Jahre.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Schwere Grippewelle hat Deutschland im Griff

Die aktuelle Grippewelle tobt und beschert Praxen und Kliniken einen regen Zulauf. Das RKI hat Tipps, worauf Ärzte jetzt achten sollten. mehr »

Bodyguard lässt sich von Steuer absetzen

211.000 Euro hatte eine Frau für einen Bodyguard steuerlich abgesetzt - zu Recht, entschied jetzt ein Gericht. Eine Rentnerin aus NRW schützt sich so steuersparend vor einer falschen Ärztin. mehr »

Die Ängste der Akademiker

Albtraum Studium? Jeder sechste Studierende leidet nach Angaben der Barmer unter einer psychischen Störung. Tendenz steigend. mehr »