Ärzte Zeitung, 16.07.2009

Kommentar

Jetzt schon impfen gegen Pandemie?

Von Michael Hubert

Muss man Patienten, die nach Impfschutz vor Schweinegrippe fragen, auf den Spätherbst vertrösten, wenn der Pandemieimpfstoff verfügbar sein soll? Nicht zwangsläufig! Denn es gibt eine Impfung, die fester Bestandteil auch des deutschen Pandemieplans ist: die Impfung gegen Pneumokokken.

Zumindest allen bisher nicht gegen die Bakterien geimpften Angehörigen der Risikogruppen sollte die Impfung jetzt angeboten werden: allen Kindern bis 24 Monate - sie erhalten einen Pneumokokken-Konjugatimpfstoff - und allen Menschen über 60 Jahre sowie altersunabhängig chronisch Kranken - sie erhalten eine Polysaccharidvakzine (PPV).

Auch wenn der Nutzen der PPV gegen Lungenentzündung immer wieder diskutiert wird: Der Schutz vor invasiven, häufig tödlich verlaufenden Erkrankungen durch Pneumokokken ist in vielen Studien belegt. Das sollte Motivation genug sein, allen Risikopatienten diese Impfung anzubieten. Zum Schutz vor bakteriellen Superinfektionen durch Streptococcus pneumoniae bei Grippe-Pandemie und um die offiziellen Impfempfehlungen umzusetzen.

Noch sind nur etwa 20 Prozent der Menschen in den Risikogruppen gegen Pneumokokken geimpft. Jetzt ist eine gute Zeit, dies zu ändern.

Lesen Sie dazu auch:
Schmidt verspricht Impfschutz für alle
Ähnliche Altersverteilung bei Pandemie-Opfern wie 1918

Weitere aktuelle Berichte, Bilder und Links zum Thema Schweinegrippe (Mexikanische Grippe) finden Sie auf unserer Sonderseite

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

38 Prozent mehr psychische Diagnosen bei jungen Erwachsenen

Immer mehr junge Erwachsene leiden unter psychischen Erkrankungen. Allein die Diagnose Depressionen hat um 76 Prozent seit 2005 zugenommen, so der Arztreport 2018. mehr »

Vorhofflimmern schlägt aufs Hirn

Nicht nur ein Risikofaktor für Schlaganfall: Vorhofflimmern ist auch für das Gehirn gefährlich. Angststörungen und kognitive Einschränkungen sind Nebenwirkungen, so eine Studie. mehr »

Gericht urteilt über Diesel-Fahrverbote

Müssen Städte die Feinstaub-Notbremse ziehen und Diesel-Fahrzeuge aus den Innenstädten verbannen? Bejaht das Bundesverwaltungsgericht dies, könnte auch die Gesundheitswirtschaft in die Bredouille kommen. mehr »