Ärzte Zeitung, 09.02.2010

Kommentar

Wie viel Staat soll es denn nun sein?

Von Michael Hubert

Sonst fordern Ärztefunktionäre weniger Staat, betonen die Freiberuflichkeit des Ärztestandes. Doch jetzt hallt der Ruf nach mehr Staat durch den Äther. Der Grund: Kinderimpfstoffe sind knapp. Die Ursache? Die glaubt der Vorsitzende des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) im Interview mit der "Welt" erkannt zu haben: "Die Impfstoffverteilung ist privatwirtschaftlich organisiert, deshalb ist die Versorgung nicht sichergestellt."

Auch wenn damit nicht gleich Planwirtschaft à la DDR gefordert wird, so mutet der Ruf nach dem Staat bei Impfstoffen merkwürdig an. Schließlich wurde eben jener Staat gerade noch heftig gerügt, wegen des Kaufs der Impfstoffe gegen die Schweinegrippe.

Natürlich ist es ein Manko, nur ganz wenige Anbieter für Impfstoffe zu haben. Beim Sechsfachimpfstoff gibt es sogar nur einen Hersteller. Geht da mal etwas schief, können die Auswirkungen groß sein. Ärzte müssen daher jetzt nach Alternativen suchen - und auch entscheiden, wer zuerst geimpft wird. Empfehlungen des Paul-Ehrlich-Instituts dazu gibt es.

Hergestellt wird, was verkauft werden kann. Und verkaufen will jeder seine Impfstoffe, keiner verursacht absichtlich einen Engpass. Wer fordert, der Staat solle die Hersteller verpflichten, auf Vorrat zu produzieren, dem sei gesagt: Das muss auch bezahlt werden! Und: Planwirtschaft bei Arzneien führt letztlich in ein komplett staatliches Gesundheitswesen.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Engpässe bei Kinder-Impfstoffen: Für alle betroffenen Vakzinen gibt es Alternativen

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Debakel für ASS

Acetylsalicylsäure schützt Ältere nicht vor Herz-Kreislauferkrankungen - im Gegenteil: Ihr Sterberisiko ist erhöht. Mit diesem Ergebnis überrascht die ASPREE-Studie. mehr »

Einige Frauen sind besonders dufte

Für Männer-Nasen riechen einige Frauen besser als andere. Das hängt mit der Fortpflanzung zusammen, berichten Forscher aus der Schweiz. mehr »

Mysterium Blasenschmerz-Syndrom

Bis zu 60 Mal am Tag auf die Toilette: Die interstitielle Zystitis, auch Blasenschmerz-Syndrom genannt, ist wenig bekannt. Die deutschen Urologen haben nun erstmals Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie herausgebracht. mehr »