Ärzte Zeitung, 06.05.2010

So können völlig ungeimpfte Kinder auch gegen Pertussis geschützt werden

Ein Kollege fragt im Internet:

Frage: Für ältere Kinder und Jugendliche gibt es keinen Impfstoff mehr, der zur Grundimmunisierung gegen Pertussis zugelassen ist. Wie können jedoch völlig ungeimpfte ältere Kinder und Jugendliche nachträglich geimpft werden?

Dr. Jan Leidel: Bei völlig ungeimpften älteren Kindern oder Erwachsenen oder auch bei solchen mit unbekannter Impfanamnese würde ich die nachzuholende Grundimmunisierung mit einer Injektion eines Kombinationsimpfstoffs gegen Tetanus, Diphtherie und Pertussis (TdaP) sowie einer kontralateralen Impfung gegen Polio (IPV) beginnen.

Dies ist hinsichtlich der Tetanus- und Diphtherie-Impfung zwar "off label", aber dadurch sind nachteilige Effekte nicht zu erwarten. Im Blick auf die Pertussis-Impfung stehen die Fachinformationen der entsprechenden Kombinationsimpfstoffe diesem Vorgehen nicht entgegen. Bei der derzeitigen Durchseuchung mit Bordetella pertussis wird der Impfling im Allgemeinen nicht mehr naiv gegen Pertussis sein. Studien belegen auch, dass bei älteren Kindern und Erwachsenen eine einmalige Impfung mit reduziertem Antigengehalt (aP) bei über 90 Prozent der Geimpften eine ausreichende Immunantwort induziert.

Dann würde ich die Grundimmunisierung gegen Tetanus, Diphtherie und Polio nach vier bis acht Wochen mit einer Td-Kombi-Impfung und einer kontralateralen IPV-Impfung fortsetzen und ein halbes bis ganzes Jahr später auf die gleiche Weise abschließen.

Holen Sie sich weitere Ratschläge von Experten in unserem Fachforum Impfen.

Ein Ärztemerkblatt zu Pertussis unter www.rki.de unter "Infektionskrankheiten A-Z". Die STIKO empfiehlt, Erwachsene bei der nächsten fälligen Diphtherie-Tetanus-Impfung (Td) mit einem Kombi-Impfstoff mit Pertussis-Komponente zu impfen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »