Ärzte Zeitung, 18.06.2010

Vielen Schülern fehlt Meningokokken-Schutz

Deutsche Schüler sind im internationalen Vergleich relativ schlecht gegen Typ-C-Meningokokken geschützt. Die Konjugat-Impfung wird bis zum 18. Lebensjahr von der Gesetzlichen Krankenversicherung übernommen.

Von Philipp Grätzel von Grätz

Vielen Schülern fehlt Meningokokken-Schutz

Seit 2006 wird allen Kleinkindern die Meningokokken-C-Impfung empfohlen. Bei älteren Kindern ist die Impfung nachzuholen.

© bilderbox / fotolia.com

BERLIN. Die Impfung gegen Meningokokken Typ C wird in Deutschland von der Ständigen Impfkommission erst seit 2006 allen Kindern im zweiten Lebensjahr empfohlen. "Die Durchimpfungsrate bei Fünfjährigen ist dementsprechend günstig, sie liegt bei etwa 78 Prozent", sagte der Infektiologe Privatdozent Dr. Tomas Jelinek vom Centrum für Reisemedizin (CRM).

Bei Jugendlichen gibt es einen Erkrankungsgipfel

Anders sieht die Impfrate aber bei Schulkindern aus: "Wer 2006 schon älter als zwei Jahre war, ist häufig nicht geimpft", so Jelinek. Das ist deswegen problematisch, weil es bei der Meningitis zwei Erkrankungsgipfel gibt, einen bei Kleinkindern und einen zweiten bei Jugendlichen nach der Pubertät.

Besonders gefährdet sind Kinder, die zum Beispiel für ein Austauschjahr oder für Sprachurlaube längere Zeit ins Ausland reisen. Denn dort sind Infektionen mit C-Meningokokken zum Teil deutlich häufiger als in Deutschland. "Diese Kinder sollten sich deswegen auf jeden Fall impfen lassen", sagte der Reisemediziner bei der CRM-Veranstaltung in Berlin. Mitunter ist das sogar eine Conditio sine qua non: "Schulen oder Hochschulen fordern zum Teil verpflichtend den Nachweis der Impfung", so Jelinek. Häufiger als in Deutschland ist die Meningitis unter anderem in vielen Ländern im angelsächsischen Raum, aber auch in Südeuropa sowie in vielen tropischen und subtropischen Ländern. Dr. Jan Leidel aus Köln hält die Impfung bei Schülern auch ohne unmittelbar anstehende Auslandsreise für eine sinnvolle Sache: "Bis zum Tag vor dem 18. Geburtstag übernehmen die Krankenkassen die Kosten. Diese Möglichkeit sollte man nutzen, auch wenn man aktuell keinen Auslandsaufenthalt plant", sagte das Mitglied der Ständigen Impfkommission.

Was erreicht werden kann, wenn ein Impfprogramm gegen C-Meningokokken konsequent umgesetzt wird, zeigt das Beispiel Großbritannien. Dort wurde die Impfung für Kinder bereits 1999 eingeführt. Der Effekt war beachtlich: Im Jahr 1998 verzeichnete Großbritannien rund 2500 Meningitis-Infektionen, rund 1000 davon durch Typ-C-Meningokokken verursacht. Bis 2004 ging die Zahl der Typ-C-Meninigtiden um 93 Prozent zurück.

Kaum noch Meningitis C in Großbritannien

"Im vergangenen Jahr gab es in Großbritannien erstmals keinen Todesfall durch Typ-C-Meningitis mehr", so Jelinek. Zu einer Überkompensation durch andere Meningitis-Erreger kam es nicht: Die Gesamtzahl der Meningitis-Infektionen sank in Großbritannien seit 1998 von etwa 2500 auf derzeit rund 1500 pro Jahr.

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