Ärzte Zeitung, 08.07.2013
 

Leitartikel

Generelle Impfpflicht hilft nicht gegen Masern

Die Diskussion um eine Impfpflicht spaltet die Bevölkerung. Während des aktuellen Masernausbruchs sind aber pragmatische Gegenmaßnahmen gefragt. Zum Beispiel mehr Informationen für junge Eltern zum Schutz der Kleinsten in Kinderkrippen.

Von Wolfgang Geissel

Generelle Impfpflicht hilft nicht gegen Masern

In Kindertagesstätten gibt es immer mehr ganz kleine Kinder. Sie brauchen unbedingt altersgemäßen Impfschutz.

© Gesundheit Nordhessen Holding

In der Debatte über Maßnahmen gegen die aktuellen Masernausbrüche in Deutschland ist die Diskussion um eine Impfpflicht wieder aufgeflammt.

Losgetreten hat sie Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr mit einem Artikel in der "Bild Zeitung": "Es ist verantwortungslos, wenn Eltern ihre Kinder nicht impfen lassen".

Die Impfquoten seien zu gering. "Bleibt das so, wird die Diskussion über eine Impfpflicht kommen", wird der Minister von dem Blatt zitiert.

Es ist sicher zu begrüßen, wenn das Gesundheitsministerium klar Stellung für die Masernimpfungen bezieht. Einen Zwang ins Spiel zu bringen, schadet dem Impfgedanken aber mehr als es ihm nützt.

Bevölkerung wird polarisiert

Die Bevölkerung wird so unnötig polarisiert. Absehbar waren deshalb auch die Reflexe der Protagonisten: Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) bekräftigte seine seit Jahren erhobene Forderung nach einer Impfpflicht.

Auf der anderen Seite des Spektrums sieht die Grünen-Gesundheitsexpertin Biggi Bender "das Prinzip der informierten Entscheidung und das Selbstbestimmungsrecht der Menschen aufs Spiel gesetzt."

Eine Impfpflicht würde massive Proteste von Impfgegnern hervorrufen...

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[17.07.2013, 21:34:06]
Dr. Karlheinz Bayer 
was soll die Panikmache?
An diesem Beispiel kann man sehr deutlich den strukturellen Nachteil einer Online-Befragung aufzeigen. Die Masernimpfung wurde erst 1968 eingeführt und hat sogar erst Mitte der 70er Jahre eine weite Verbreitung erreicht.
Masern gelten bis heute zudem als Kinderkrankheiten.

Das bedeutet, daß vermutlich fast jeder Bundesbürger, der vor 1970 geboren wurde als nicht geimpft anzusehen ist, also das Gros der Menschen über 40. Nach der Bevölkerungspyramide sind das rund 50%.
Die Online-Befragung von YouiGov, auf die sich der Artikel bezieht
( http://yougov.de/news/2013/07/17/umfrage-ein-funftel-der-deutschen-nicht-gegen-mase/ )
wendet sich stark überwiegend an den jüngeren Teil der Bevölkerung. Auch wenn etliche Senioren mit dem Internet vertraut sind, gibt es doch einen deutlichen Schnitt der Internetnutzer und -nichtnutzer, der bei einem Alter von etwa 55 Jahren liegt.

Fast man jetzt beide Ergebnisse zusammen, sind von den unter 50-jährigen gerade einmal 70% geimpft, von den über 50-jährigen vielleicht 10% (eine pure Schätzung meinerseits, allerdings plausibel). Im Mittel dürfte die Impfquote daher bei eher noch bescheideneren 40-60% liegen.

Das ist jedoch trotzdem nicht unbedingt ein Problem, denn in den höheren Altersstufen ist zwar nicht von einer Impfung, aber mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit von einer stattgehabten Infektion auszugehen.

Verwunderlich ist, daß die Masern nicht wegen ihrer extrem hohen Ansteckungsrate längst von selbst verschwinden sind. Die Impfquote von 95 %, die nach WHO notwendig wäre, um die Masern überhaupt auszurotten, dürfte durch die Infektion selbst über das gesamte 19. und 20. Jahrhundert erreicht worden sein.

Auch wenn das die Robert-Koch-Leute nicht hören wollen, ist das Verschwinden der Kinderlähmung auf diesen Effekt, und nicht auf die Impfung zurückzuführen. Die letzte große Welle von Polio trat 1953 auf. Die Impfung begann flächendeckend erst nach 1960 - ein Beleg dafür, daß hohe Zahlen von Infektionen eine Virusepidemie beenden.

Statistisch belegbar ist das durch die Pockenzüge des Mittelalters ebenso wie durch die Grippewellen. Aber wie gesagt, das hört das RKI nicht gerne, tut es als Humbug ab, ist baber nicht bereit und in der Lage die Epidemieverläufe durch Mathematiker analysieren zu lassen.

Ich bin gespannt, was man aus diesen - wie ich hoffentlich darstellen konnte - nicht unbedingt aussagekräftigen Zahlen der Umfrage machen wird.

Dr. Karlheinz Bayer, Bad Peterstal  zum Beitrag »
[16.07.2013, 08:47:01]
Steffen Jurisch 
Wann gibt es eine Impfung gegen Dummheit und Ignoranz?
Die Würde des Menschen ist unantastbar - das ist der erste Satz im Grundgesetz der BRD, auch wenn es keine Verfassung ist, die das Volk sich selbst gegeben hat, so ist dieser Satz der wichtigste Schatz des Deutschen Volkes im Moment - wenn er denn gelebt werden darf.

Schon aus diesem Grund darf es keine Impfpflicht geben. Jeder sollte für sich und seine Kinder selbst bestimmen dürfen, jetzt und in alle Zeit, was er für Richtig und Wichtig in Sachen Gesundheit Gesundheit ansieht. DIe sogenannten wissenschaftlichen Beweise einer Wirksamkeit der "Schutzimpfungen" gibt es nicht.
Das einzige Interesse was dahinter steht und welches bewiesen ist, ist das Interesse der Pharmakonzerne. Oder gibt es den Impfstoff etwa umsonst aus lauter humanitärer Gesinnung?

Wir haben in Deutschland keine Impfpflicht und so soll es bleiben - Kindergärten, Kindergrippen und Schulen sollen ebenfalls nur einer Aufgabe nachkommen, der Lehrverpflichtung, der bildungsverpflichtung unserer Kinder und nix anderes…

Ich bin es satt mit medizinischen Laien und Ignoranten, Mitläufern und Vom-hören-sagen-Wissenden über Sinn und Unsinn einer Schutzimpfung zu diskutieren. Denn ich habe in meiner Praxis oft Kinder und Erwachsene die ich auf die Folgen von Schutzimpfungen behandel… (Schäden die nicht gemeldet werden, weil sie oft nicht als solche erkannt werden - liegt wohl auch an der nicht wahrgenommenen Aufklärungspflicht des Arztes - Denke mal!)

Steffen Jurisch
Heilpraktiker zum Beitrag »
[10.07.2013, 23:47:41]
Wolfgang Böse 
Hier geht es um Hilfepflicht!
Bei der Maserimpfung ist die Impfpflicht das Gebot der Stunde. Es ist nach allen ernst zu nehmenden wissenschaftlichen Erkenntnis eine absolut notwendige Maßnahme, Kindern auch von Impfgegnern die einzig wirksame und risikoarme Hilfe zukommen zu lassen. Wenn das Impfgegner verweigern, ist das in meinen Augen Unterlassene Hilfeleistung, und dem muss eine Gesellschaft bei einer solchen Gefährdung der Kinder entgegenwirken. Sollen noch mehr Kinder in die neurologische Katastrophe rennen auf Grund der Ignoranz von Eltern, die es besser wissen müssten? zum Beitrag »
[09.07.2013, 08:10:58]
Heike Thiesemann-Reith 
Vergessen: 30% echte Impfgegner: max. 5%, eher skeptische Eltern: 30%
Diese Daten machen deutlich, wo unsere eigentliche Aufgabe liegt - beim Recall in den Praxen, Impfen IN den Vorsorgen, auch wenn viele Ärzte das anscheinend immernoch ungern tun, Impfen trotz banaler Erkältung, auch wenn viele Ärzte das anscheinend immernoch ungern tun, evtl. Impferinnerung durch die Landesregierung (was unnötig wäre, wenn IN den Vorsorgen geimpft würde und auch zur J1 eingeladen würde), ÖGD in die Schulen etc. Man möge dazu den Nationalen Impfplan zur Hand nehmen, da stehen alle Defizite und wer sie beheben kann bzw. sollte ausführlich drin. Gegen eine verpflichtende Prüfung des Impfstatus vor Eintritt in den Kindergarten spricht übrigens exakt gar nichts. zum Beitrag »
[08.07.2013, 13:35:05]
Dr. Klaus Kober 
Impfpflicht gegen Masern
Wir haben eine Helmpflicht für Motorradfahrer, eine Gurtpflicht für Autofahrer....
Warum können wir nicht endlich auch eine Impfpflicht für Masern...
einführen, zumal die Masernimpfung lange genug auf dem Markt ist ohne
nennenswerte Komplikationen und Masernkranke eben auch viele andere an-
stecken können mit ev. negativen Dauerfolgen.
Die Zeit der Aufklärung sollte nun zuende gehen und die Zeit der Pflicht(en)kommen ! Irgendwann hat man auch als Arzt keinen Nerv mehr,
gegen Ignoranz anzudiskutieren.
Dr. K.Kober
 zum Beitrag »

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