Ärzte Zeitung online, 28.11.2013
 

Späte Diagnose

Pertussis wird leicht übersehen

In einer geimpften Population wird ein Keuchhusten oft nicht auf Anhieb erkannt. Giemende Patienten etwa werden fast immer zunächst für Asthmatiker gehalten, wie eine US-Studie mit Kindern und Jugendlichen zeigt.

FONTANA. Auch bei geimpften älteren Kindern und Erwachsenen muss man damit rechnen, dass hinter einem hartnäckigen Husten ein Keuchhusten steckt. Allerdings geht dieser dann oft nicht mit den typischen Merkmalen einher, wie eine Pertussisepidemie in Kalifornien im Jahr 2010 verdeutlicht hat.

Die Daten von allen 501 Kinder und Jugendlichen zwischen 0 und 18 Jahren, bei denen mittels PCR zwischen Juli und Dezember 2010 Pertussis nachgewiesen worden war, wurden retrospektiv analysiert (The Pediatric Infectious Disease Journal 2013. Online 28. Oktober 2013).

93 Prozent der Vier- bis Sechsjährigen hatten eine komplette DTaP-Impfung erhalten, 38 Prozent der 11- bis 18-Jährigen waren mit Tdap-Vakzin immunisiert worden.

34 Prozent litten unter Stakkatohusten, 30 Prozent erbrachen nach den Hustenanfällen, und 8 Prozent wiesen bei der klinischen Untersuchung ein leichtes bis mittleres Giemen und Pfeifen (Wheezing) auf. Fast bei jedem zweiten Kind bestand mindestens ein klassisches Keuchhustensymptom.

Bei Patienten mit Wheezing wurde die Diagnose oft erst mit Verzögerung gestellt. 60 Prozent der giemenden Patienten benötigten mehr als einen Anlauf beim Arzt, bevor ihnen die richtige Diagnose bescheinigt wurde (vs. 29 Prozent in der Gesamtgruppe).

Häufig zunächst empirische Asthmatherapie

Die schnelle Diagnose einer Pertussis ist wichtig, um mögliche Kontaktpersonen zu schützen. Doch bei untypischen Verläufen oder in der Frühphase der Erkrankung ist die Unterscheidung von anderen Atemwegserkrankungen schwierig.

So wurde fast jedes vierte Kind (22 Prozent) der Studie zufolge zunächst mit Verdacht auf eine Asthmaexazerbation behandelt, obwohl nicht einmal jedes dritte bei der Untersuchung ein Giemen und Pfeifen erkennen ließ.

Bei den Patienten, bei denen sich zusätzlich zum Husten ein Wheezing zeigte, hegten die behandelnden Ärzte zu 95 Prozent den Anfangsverdacht auf eine Asthmaexazerbation. Die Behandlung erfolgte entsprechend, obwohl bei fast der Hälfte dieser Kinder gar keine Hinweise auf eine Asthmaerkrankung in der Vorgeschichte erkennbar waren.

Erst nachdem die Asthmabehandlung nicht anschlug, wendete sich die Diagnostik in Richtung Keuchhusten. Dies verzögerte die Diagnose, die dann durchschnittlich erst nach 15 Krankheitstagen gestellt wurde (vs. 13 Tage in der Gesamtgruppe).

Frühere Diagnose bei Keuchhustenfällen im Umfeld

Auch das Alter spielte eine Rolle: Insgesamt erhielten Jugendliche die richtige Diagnose später als Kinder unter elf Jahren (15,5 vs. 11,7 Tage), dann allerdings meist bereits beim ersten Arztbesuch.

Die Autoren gehen davon aus, dass die Jugendlichen angesichts weniger dramatischer Symptome einfach länger abwarteten als Mütter mit kleinen Kindern, bevor sie einen Arzt aufsuchten.

Eine frühe Diagnose wurde vor allem dann gestellt, wenn im näheren Umfeld Keuchhustenfälle oder ein Verdacht auf die Infektion bekannt waren und dem Arzt darüber berichtet wurde. Bis zur Diagnose vergingen dann nur 9,4 Hustentage (vs. 13 in der Gesamtgruppe) und nur in 18 Prozent der Fälle (vs. 29 Prozent in der Gesamtgruppe) war ein zweiter Arztbesuch nötig, um Klarheit zu gewinnen.

Meist waren bereits Geschwister betroffen, bei 17 Prozent waren es Mitschüler und bei 24 Prozent andere Kontaktpersonen im näheren Umfeld. Intensives Nachfragen scheint sich also zu lohnen. (St)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Alle geimpft?

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