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Impfempfehlungen

Neuer STIKO-Chef fordert mehr Personal

Veröffentlicht:

Erlangen. Der neue Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (STIKO), der Virologe Professor Klaus Überla, fordert mehr Personal für die Kommission und warnt vor politischem Einfluss. „Die Erwartungen an die STIKO sind durch die Pandemie deutlich gestiegen, was die Geschwindigkeit unserer Empfehlungen angeht“, sagte Überla der Ärzte Zeitung. Die Geschäftsstelle habe im Moment „zwischen fünf und zehn“ Mitarbeiter. „Die Personaldecke müsste dringend gestärkt werden.“

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Neben den gestiegenen Erwartungen habe es die Kommission auch mit mehr zugelassenen Impfstoffen zu tun. Und sie bekomme „immer mehr Fragen, auch zu sehr speziellen Themen wie Impfungen bei Autoimmunerkrankungen“. Überla: „Da wäre es schon sinnvoll, wenn die STIKO sich zu möglichst vielen Fragestellungen äußern könnte und nicht mehr eine so strikte Priorisierung der Fragestellungen vornehmen müsste, wie es im Moment der Fall ist.“

Die Struktur der STIKO mit ihren 19 ehrenamtlichen Mitgliedern würde Überla allerdings nicht ändern. „Das System der STIKO hat sich bewährt, funktioniert und man müsste es eher personell unterfüttern“, sagte er.

Politische Vorgaben sind „nicht mehr Wissenschaft“

Auch warnte Überla vor einer Einflussnahme durch Politiker auf die Impfempfehlungen. „Die fachlichen Entscheidungen sollten immer der Wissenschaft überlassen sein“, sagte er. „Wenn man sich vorstellt, die Politik würde Wissenschaftlern sagen, wir wollen dieses oder jenes Ergebnis haben, ist das nicht mehr Wissenschaft, sondern Propaganda.“ In totalitären Staaten sehe man, wie sich das auf die Impfakzeptanz auswirke, „in Russland ist sie extrem schlecht“. „Es gibt sehr gute Gründe für politisch unabhängige wissenschaftliche Kommissionen.“

Zu dem Vorpreschen des heutigen Bundesgesundheitsministers Karl Lauterbach (SPD) bei Impfempfehlungen in der Corona-Pandemie sagte Überla: „Für die Impfakzeptanz ist das kein guter Weg.“ Lauterbach hatte im Sommer 2022 entgegen der damaligen STIKO-Empfehlung für die Corona-Auffrischimpfung auch für unter 60-Jährige geworben.

Die Datenlage sei damals „recht dürftig“ gewesen, so Überla. „Daher ist eine solche Empfehlung eine Frage der Risikobereitschaft. Nur was ist, wenn etwas schiefgeht? Dann fragt man sich, wie das langfristig der Akzeptanz aller STIKO-Empfehlungen schadet. Diesen Aspekt denken wir immer mit. Deswegen ist unser striktes evidenzbasiertes Vorgehen der sicherere Weg.“ (nös)

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