Kommentar zu den STIKO-Empfehlungen

Bei Impfengpass priorisieren!

Schwankende Nachfrage und lange Produktion begünstigen Impfstoff-Engpässe. Vorrang haben Patienten mit hohem Schutzbedarf.

Wolfgang GeisselVon Wolfgang Geissel Veröffentlicht:

Dass die Praxen Impfschutz anbieten müssen wie Sauerbier, gehört in vielen Fällen der Vergangenheit an. Einige Impfstoffe werden Ärzten inzwischen buchstäblich aus der Hand gerissen: Das hat im letzten Winter zu Lieferengpässen bei der Grippevakzine geführt und aktuell ist der neue Herpes- zoster-Impfstoff nicht lieferbar. Man werde auch mittelfristig die Nachfrage nicht ganz bedienen können, räumt der Hersteller GSK dazu vorsichtig ein.

Das Unternehmen trifft keine Schuld. Impfstoffe sind verderbliche Ware, und es ist schwierig, den Bedarf viele Monate im Voraus abzuschätzen. Vor zwei Jahren waren in Deutschland mehrere Millionen Dosen Grippe-Impfstoff mangels Nachfrage vernichtet worden. Daran hatte man sich im Jahr darauf orientiert, was zu den Lieferengpässen führte.

Fünf Monate dauert die Herstellung einer konventionellen Grippevakzine. Zu lange, um bei Engpässen in der Grippesaison gegensteuern zu können. Bei Kombinationsimpfstoffen erfordert die Produktion sogar mehrere Jahre.

Ärzte werden sich in den nächsten Jahren zunehmend auf knappe Impfstoffe einstellen müssen. Eine sorgfältige Disposition ist dann häufig notwendig, damit die Prävention stets die Patienten mit dem größten Schutzbedarf auch erreicht.

Lesen Sie dazu auch: Neue STIKO-Empfehlungen: Zoster-Impfung für alle ab 60

Schreiben Sie dem Autor: wolfgang.geissel@springer.com

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