Ärzte Zeitung, 14.01.2005

KOMMENTAR

Wenig Konkretes zum Pandemieschutz

Von Wolfgang Geissel

Zu unkonkret, zu viel "man müßte und man sollte" - so hat Professor Reinhard Kurth aus Berlin Teile des jetzt vorgelegten nationalen Influenza-Pandemieplans kritisiert. Klare Anweisungen für den möglichen Katastrophenfall müßten folgen, ebenso wie staatliche Investitionen für die Vorbereitung auf eine solche Pandemie, fordert der Präsident des Robert-Koch-Instituts.

Die Zeit drängt. Die Bedrohung durch eine Influenza-Pandemie mit einem neuartigen Erreger ist nach Ansicht von Experten so groß wie in den vergangenen 50 Jahren nicht mehr. Nach Schätzungen würden in Deutschland bei einer solchen Seuche binnen weniger Wochen 90 000 Menschen sterben und 350 000 in eine Klinik eingewiesen werden, wenn sich - was realistisch ist - jeder Dritte in der Bevölkerung anstecken würde. Vor allem ein Impfstoff könnte die Bevölkerung davor schützen. Es ist daher höchste Zeit, daß sich Deutschland - wie schon die USA, Japan oder Kanada - an der Entwicklung einer solchen Vakzine beteiligt. Pharma-Unternehmen muß zudem signalisiert werden, daß sie im Ernstfall Kapazitäten für die Produktion der Vakzine bereit halten sollte.

Hausärzte könnten die Bemühungen unterstützen. Je mehr Patienten sie jetzt für die normale Grippe-Impfung gewinnen, desto mehr Produktionskapazitäten für Grippe-Impfstoffe werden in Deutschland künftig vorgehalten. Das könnte gerade bei einer Grippe-Pandemie günstig sein.

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