Ärzte Zeitung online, 12.02.2018

Robert Koch-Institut

Schutz der trivalenten Grippe-Impfstoffe ist gar nicht so schlecht

Trivalente Grippevakzinen bieten offenbar auch einen gewissen Schutz vor den jetzt häufigen Influenza-B-Subtypen, obwohl diese nicht damit abgedeckt werden. Das zeigen aktuelle Daten aus Deutschland.

Von Wolfgang Geissel

Schutz der trivalenten Grippe-Impfstoffe ist gar nicht so schlecht

Impfung von Senioren: Trotz moderater Wirksamkeit der beste verfügbare Grippeschutz.

© JPC-PROD / Fotolia

BERLIN. Der "mismatch" in den aktuellen trivalenten Grippevakzinen (TIV) bei Influenza-B-Viren nährt Zweifel an der Schutzwirkung. Denn in diesem Winter wurden in Stichproben von Patienten mit laborbestätigter Influenza bisher zu 72 Prozent B-Viren der Yamagata-Linie isoliert. Diese Linie ist aber nur im quadrivalenten Impfstoff (QIV) enthalten.

 Das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt daher auch, bei TIV-geimpften Hochrisikopatienten eine Nachimpfung mit QIV zu erwägen.

 

Meldeärzte gesucht

  • Die AG Influenza des RKI sucht für die Überwachung akuter respiratorischer Erkrankungen (ARE) neue Haus- und Kinderarztpraxen.

  • Gemeldet werden online oder per Fax der tägliche Anteil von ARE bei Patientenkontakten sowie Fälle von Arbeitsunfähigkeit, Hospitalisation und Tod durch ARE pro Woche.

    Mehr Infos unter www.influenza.rki.de/Sentinelpraxis.aspx oder per E-Mail: agi@rki.de

Durch Kreuzprotektion bei den B-Impfviren ist die Wirksamkeit von TIV in dieser Saison aber offenbar gar nicht so schlecht, ergab eine Fall-Kontrollstudie des RKI (Epi Bull 2018; 6: 69). Analysiert wurden Daten von knapp 1400 Patienten, die sich zwischen Oktober und Anfang Februar in einer von 131 Meldepraxen der AG-Influenza wegen einer "influenza-like illness" (ILI) vorgestellt hatten.

 Kennzeichen solcher ILI sind plötzlicher Krankheitsbeginn sowie je mindestens ein systemisches (etwa Fieber, Myalgie) und ein Atemwegs-Symptom (etwa Husten, Halsweh).

Bei etwa einem Drittel der Patienten ließ sich der Influenza-Verdacht anschließend im Labor bestätigen; bei zwei Dritteln wurden keine Influenzaviren gefunden. Von den Patienten mit belegter Influenza (Fallgruppe) hatten sich sechs Prozent und von den ILI-Patienten ohne Influenza-Nachweis (Kontrollgruppe) elf Prozent impfen lassen.

Effektivität von 46 Prozent

Nach Adjustierung für Störfaktoren wurde daraus eine Effektivität der TIV von insgesamt 46 Prozent ermittelt. Die Schutzwirkung nahm dabei mit dem Alter ab: von 61 Prozent bei Kindern und Jugendlichen bis 14 Jahre über 45 Prozent bei den 15- bis 59-Jährigen bis zu 31 Prozent bei Senioren ab 60 Jahre.

Vorläufige Daten aus der aktuellen Grippesaison in Kanada sprechen ebenfalls für eine Kreuzprotektion bei Influenza-B-Impfstämmen. Trotz "mismatch" wurde dort ein Schutz von 55 Prozent gegen Influenza B ermittelt (Euro Surveill. 2018; 23(5): pii=18-00035). Dort dominieren aber aktuell Influenz-A-Viren (H3N2).

Das Fazit des RKI: Auch wenn durch die Impfung weniger als die Hälfte der Geimpften vor einer Influenza geschützt werden, kann aufgrund der Häufigkeit von Grippe mit der Impfung eine große Zahl an Erkrankungen verhindert werden. Daher bleibt die Influenzaimpfung die beste Präventionsmaßnahme auf Bevölkerungsebene, um das Risiko zu vermindern. An Ärzte wird daher appelliert, konsequent gegen Grippe zu impfen.

Grundsätzlich sind Patienten aber auch andere präventive Maßnahmen nahezulegen, betont das RKI. Dazu gehören regelmäßiges gründliches Händewaschen oder auch, sich von Menschen mit Atemwegssymptomen fernzuhalten.

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