Ärzte Zeitung online, 12.05.2014
 

Rotavirus-Impfung

"Die wirksamste Impfung, die wir haben"

80 Impfungen und eine Klinikeinweisung weniger - für den Pädiater Professor Fred Zepp ist die Rotavirus-Impfung eine Erfolgsgeschichte. Und das auch, weil nicht geimpfte Erwachsene davon profitieren.

BERLIN. Wer 80 Kinder gegen Rotaviren impft, verhindert eine Klinikeinweisung wegen Durchfall. Und dank der Herdenimmunisierung haben auch Erwachsene einen deutlichen Nutzen davon. "Von allen Impfungen, die wir haben, ist die Rotavirus-Impfung die wirksamste", sagte Professor Fred Zepp vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Uniklinik Mainz beim Praxis-Update 2014 am Freitag (9. Mai) in Berlin.

Zwar verlaufen Rotavirus-Infektionen in aller Regel nicht lebensbedrohlich. Sie sind aber doch häufig ein Grund für Klinikeinweisungen, in Deutschland über 50.000 Mal im Jahr. Diese Zahl könne durch eine konsequente Impfung von Kindern deutlich gesenkt werden, betonte Zepp: "Wer 80 Kinder impft, verhindert damit eine Klinikeinweisung. So effektiv ist keine andere Impfung."

Mittlerweile deute zudem vieles darauf hin, dass es bei der Rotavirus-Impfung, ähnlich wie bei der Pneumokokken-Impfung, zu einer Herdenimmunität kommt, die auch nicht geimpfte Erwachsene bis zu einem gewissen Grad schützt. Relevant ist das vor allem für ältere Menschen, bei denen schwere Diarrhöen lebensbedrohlich sein können.

Vor allem immungeschwächte Erwachsene profitieren

Zepp berichtete über eine US-amerikanische Studie, bei der der herdenprotektive Effekt der Impfung zwei Jahre nach der Einführung eines allgemeinen Impfprogramms untersucht wurde (Clin Infect Dis 2013; 56(6): 755-60).

Dazu wurden konservierte Stuhlproben von Erwachsenen aus der Zeit vor Einführung der Rotavirus-Impfung verglichen mit Proben, die zwei Jahre danach genommen wurden. Bei insgesamt 3530 analysierten Stuhlproben zeigte sich zwischen 2006 bis 2007 und 2008 bis 2010 ein Rückgang der Prävalenz von Rotaviren um rund die Hälfte, nämlich von 4,35 auf 2,24 Prozent.

Bei einer Überprüfung der Patientenakten zeigte sich, dass etwa 30 Prozent der Erwachsenen mit positivem Rotavirus-Nachweis an einer Störung der Immunfunktion litten. "Das zeigt, dass immunsupprimierte Patienten ein erhöhtes Risiko für Infektionen mit Rotaviren auch im Erwachsenenalter haben", so Zepp. Diese Gruppe profitiert damit besonders von der Impfung der Kinder.

Hinsichtlich des Risikos für Invaginationen bei Kleinkindern durch die Impfung mahnte Zepp, die Proportionen im Blick zu behalten. Der auch in den Medien viel zitierte vierfache Anstieg des Invaginationsrisikos entspreche in Realität einer diskreten Zunahme um 0,79 Invaginationen pro 100.000 Impfungen.

Allerdings sei das Risiko bei der Erstimpfung etwas höher als bei den beiden Folgeimpfungen. "Das ist aus Sicht des Pädiaters bei dem hohen Nutzen nicht dramatisch, zumal Invaginationen in der Regel gut behandelbar sind", so Zepp. (gvg)

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