Ärzte Zeitung, 16.06.2009

Pandemie - und keiner merkt's

Von Thomas Müller

Foto GSK, www.fotolia.de

Man stelle sich vor: Es gibt eine Pandemie, und keiner merkt's. Tatsächlich hätte die Menschheit die soeben ausgerufene Grippe-Pandemie praktisch nicht wahrgenommen, würde die Verbreitung des neuen Virus nicht akribisch verfolgt und von den Medien mit hoher Aufmerksamkeit begleitet. Doch solange es noch fast jeder Grippetote in die Schlagzeilen schafft, heißt das eigentlich nur eines: Das Virus ist derzeit - zum Glück - noch ziemlich harmlos.

Wenn man bedenkt, dass in jedem Winter allein in Deutschland 5000 bis 15 000 Menschen an saisonaler Influenza sterben, stellt sich die Frage, wie die WHO auf die Idee kommt, die höchste Pandemie-Warnstufe für einen Erreger auszurufen, der offenbar nicht gefährlicher ist als der alljährliche Mix an Grippeviren. Sicher, formal handelt die WHO korrekt: Ein neues Influenza-Virus breitet sich über den Globus aus.

Solange Pandemie-Warnstufen aber nichts über die Gefährlichkeit des Erregers aussagen, drohen sie zur Farce zu werden. Denn irgendwelche neuen Viren breiten sich immer aus, und sei es nur über einen harmlosen Schnupfen. Die WHO sollte ihr Konzept überdenken, sonst nimmt es vielleicht keiner mehr ernst, wenn eines Tages ein weit aggressiveres Virus auftaucht.

Weitere aktuelle Berichte, Bilder und Links zum Thema Schweinegrippe (Mexikanische Grippe) finden Sie auf unserer Sonderseite

Lesen Sie dazu auch:
Hohe Dunkelziffer bei H1N1 angenommen

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Die häufigsten Fehler bei der Opioid-Therapie

Nehmen Patienten Opioide ein, müssen sie einiges beachten. Manches Missverständnis und mancher Einnahmefehler können Ärzte mit zwei Sätzen der Erklärung ausräumen. mehr »

Spahn im Dialog mit den Ärzten

Seit Monaten wird heiß ums Terminservice- und Versorgungsgesetz diskutiert. Heute stellte sich Jens Spahn direkt den Fragen der Ärzteschaft zu TSVG, Sprechstunden und Co. Das Wichtigste der Veranstaltung in 13 Tweets. mehr »

Spahn bleibt bei Sprechstundenzeiten hart

Das Termineservicegesetz wird nachgebessert werden, aber nicht bei den Sprechstundenzeiten. Das stellt Jens Spahn beim Neujahrsempfang des Hausärzteverbands klar. mehr »