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Neues Kapitel in der Diskussion um Schweinegrippe-Impfstoffe

Warum sollen - laut "Spiegel" - jetzt auch Bundesbedienstete einen Schweinegrippe-Impfstoff ohne Adjuvans bekommen? Die Diskussion um die Sicherheit von Vakzinen mit solchem Zusatz spitzt sich weiter zu.

Von Michael Hubert Veröffentlicht:
Neues Kapitel in der Diskussion um Schweinegrippe-Impfstoffe

© Foto: Montage michanolimit www.fotolia.de, Thomas Graf www.fotolia.de

Gibt es eine Zweiklassengesellschaft bei der Impfung gegen Schweinegrippe? Wer den "Spiegel" liest, könnte den Eindruck gewinnen. Sollen doch Bundesbedienstete einen anderen Impfstoff erhalten als "das Volk". Zur Impfung gegen die Neue Grippe (Schweinegrippe) zugelassen sind durch die EU-Kommission drei Impfstoffe.

Bereits vergangene Woche wurde berichtet, die Bundeswehr hätte für die Truppe einen anderen Impfstoff bestellt als die Länder für die Bevölkerung. Soldaten erhalten demnach Celvapan®, für die Bevölkerung wurden 50 Millionen Dosen Pandemrix® geordert. Nun schreibt "Der Spiegel" in seiner heutigen Ausgabe: Auch das Bundesinnenministerium habe für die Bundesregierung, die Ministerien und die nachgeordneten Behörden Celvapan® bestellt.

Bund und Truppe erhalten somit einen Schweinegrippe-Impfstoff ohne Adjuvans, der überwiegende Teil der Bevölkerung einen mit Adjuvans. Und genau darum geht es: Schon seit längerem wird über den in Pandemrix® enthaltenen Wirkverstärker kritisch berichtet. Auch bei Ärzten gibt es Bedenken gegen diese Substanzen. Die Rede ist von Nebenwirkungen und Risiken, von unzureichenden Tests, selbst die These eines Großversuchs an der deutschen Bevölkerung wurde kolportiert.

Adjuvanzien sorgen für stärkere Immunantwort

Richtig ist: Adjuvanzien verstärken die Immunantwort, deshalb werden sie in Impfstoffen eingesetzt. Dabei kann es auch zu unspezifischen Immunreaktionen kommen; dies sind in der Regel lokale Reaktionen. Wer die Äußerungen der zahlreichen Kritiker in den Medien liest, wird immer wieder hierauf stoßen: stärkere Schmerzen an der Einstichstelle, mehr Schwellungen am Injektionsort. Also: Lokalreaktionen. Diese mutieren in der Debatte zu bedrohlichen Nebenwirkungen.

Im Übrigen ist das Konzept adjuvantierter pandemischer Influenza-Impfstoffe kein deutscher Alleingang, sondern ein gesamteuropäisches Vorgehen.

Ziele dieses Konzeptes waren und sind: Herstellung eines hoch immunogenen Impfstoffs, der eine breite Immunantwort erzeugt, und der vor allem mit geringen Mengen Antigen auskommt. Damit können in relativ kurzer Zeit große Mengen Impfstoff hergestellt werden. Und genau diese werden für eine Pandemie-Prophylaxe benötigt.

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) teilt hierzu mit: Daten aus den USA hatten ergeben, dass gegen den Erreger der Vogelgrippe mit dem Konzept der herkömmlichen Grippeimpfstoffe pro Impfdosis 90 Mikrogramm Antigen benötigt wurden, um überhaupt einen Schutz vermitteln zu können. Das sei pro Dosis 6-mal so viel wie in einem saisonalen Impfstoff und 12- bis 24-mal soviel wie in den adjuvantierten Impfstoffen. Fazit des PEI: ungeeignet für den Fall einer Pandemie. Pandemrix® etwa kommt mit nur 3,75 Mikrogramm Antigen pro Dosis aus. "Und mit der Vakzine werden auch Driftvarianten des Influenzavirus abgedeckt. Das haben Studien belegt", sagte Dr. Susanne Stöcker, Sprecherin des PEI zur "Ärzte Zeitung". Und womit werden die PEI-Mitarbeiter geimpft? "Wir haben über das Gesundheitsamt Pandemrix® bestellt", so Stöcker.

USA will möglicherweise auch mit Adjuvans arbeiten

Lesen Sie dazu auch: Schweinegrippe-Impfung: Aus schon vor dem Start? Europa hat Nase vorn bei Pandemie-Impfstoff Schweinegrippe: "Es wird viele Pandemiewellen geben"

Weitere aktuelle Berichte, Bilder und Links zum Thema Schweinegrippe (Neue Grippe) finden Sie auf unserer Sonderseite

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