Ärzte Zeitung, 16.02.2010

Große Unterschiede in USA und Deutschland bei H1N1

Große Unterschiede in USA und Deutschland bei H1N1

Geschätzte Inzidenz in USA hundertmal höher / Jeder fünfte US-Bürger infiziert

ATLANTA (hub). Während bei uns die H1N1-Pandemie vorüber zu sein scheint, wird in den USA weiter fleißig geimpft. Nach Schätzungen hat sich knapp jeder fünfte US-Amerikaner mit H1N1 infiziert.

Große Unterschiede in USA und Deutschland bei H1N1

Fieber ist nur ein Symptom einer Erkrankung durch das neue H1N1-Virus. © Marc Roche / fotolia.com

Die US-Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in Atlanta betonen weiterhin den Nutzen der Impfung gegen Schweinegrippe. "Der Höhepunkt ist überschritten, das Virus zirkuliert jedoch weiter, verursacht Erkrankungen, Krankenhauseinweisungen und auch Tod", so Dr. Anne Schuchat von den CDC in einer Mitteilung. Bisher haben sich nach CDC-Schätzungen etwa 57 Millionen US-Bürger mit H1N1 infiziert, die Inzidenz liegt demnach bei etwa 19 000 pro 100 000 Einwohner. Fast 12 000 US-Bürger sind gestorben, das entspricht einer Letalität von knapp 4 pro 100 000.

Die CDC schätzen, dass mittlerweile knapp jeder vierte US-Bürger gegen das neue H1N1-Virus geimpft ist. Die höchste Impfrate gibt es mit 37 Prozent bei Kindern und Jugendlichen. Zur Erinnerung: Im Gegensatz zu den adjuvantierten Pandemie-Impfstoffen in Europa, erhalten in den USA Kinder bis zehn Jahre zweimal eine nicht-adjuvantierte Vakzine. Ebenfalls interessant zu wissen: Drei von fünf US-Bürgern schätzen die Reaktionen des Gesundheitswesens auf die H1N1-Pandemie als exzellent oder gut ein.

Während auf der anderen Seite des Atlantiks weiterhin geimpft wird, ist in Deutschland die Pandemie für beendet erklärt. Medial findet die Schweinegrippe nur noch in Form von Rückblicken Beachtung. Mit ein Grund sind wohl die Zahlen, die weit unter denen der USA liegen. Die Gesamtinzidenz an H1N1-Infektionen etwa gibt das Robert-Koch-Institut (RKI) mit 206 pro 100 000 Einwohner an. Die CDC-Zahlen für die USA liegen etwa um den Faktor 100 höher.

Auch bei den an H1N1 Gestorbenen hatte Deutschland mehr Glück als die USA. Das RKI gibt hier eine Gesamtzahl von 226 an, was einer Letalität von etwa 0,3 pro 100 000 entspricht. In den USA liegt diese Rate um das 14-Fache höher. Unterschiede gibt es auch bei den Impfraten: So schätzt das Paul-Ehrlich-Institut, dass von den über 14-Jährigen nur 7,5 Prozent geimpft sind.

226 Menschen sind sicher an H1N1 gestorben
In Deutschland insgesamt weit über 200 000 an Schweinegrippe erkrankt
AlterH1N1-InzidenzZahl GestorbenerSterberate
0 - 123760,44
2 - 437940,19
5 - 14841170,22
15 - 34311390,20
35 - 591001140,37
ab 6013460,22
Quelle: Robert-Koch-Institut - Tabelle: Ärzte Zeitung

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