Direkt zum Inhaltsbereich

Taucht H5N1 in Deutschland auf, sind erstmal Veterinäre gefragt

HANNOVER (grue). Noch ist die Vogelgrippe nicht da, und selbst wenn sie kommt, ist das Infektionsrisiko für Menschen extrem niedrig. Sollte sich das Virus jedoch genetisch verändern und sich dann rasch unter Menschen ausbreiten, tritt der Deutsche Pandemieplan in Kraft.

Veröffentlicht:

Ob es tatsächlich nötig war, das deutsche Vorgehen für den hypothetischen Fall einer Grippe-Pandemie bis ins Detail festzulegen, wurde auf einem Forum des Niedersächsischen Kompetenzzentrums Ernährungswirtschaft (NieKE) diskutiert. "Denn festlegen ist eine Sache, die Realisierung eine andere", gab Professor Adolf Windorfer vom Landesgesundheitsamt aus Hannover zu bedenken.

Fakt ist, daß der für Vögel und Geflügel gefährliche Grippevirus-Typ H5N1 in Asien Millionen Vögel getötet hat. In den vergangenen acht Jahren haben sich außerdem 122 Menschen nach engem Tierkontakt mit dem Erreger infiziert, 62 sind an den Folgen der Infektion gestorben.

Robert-Koch-Institut berechnet Erkrankungsrate bei Pandemie

Sollte sich das Virus allerdings durch Mutation zu einem hochinfektiösen humanpathogenen Erreger entwickeln, droht eine Pandemie. Deren Folgen für Deutschland hat das Robert-Koch-Institut (RKI) bereits exakt berechnet: Bei einer Erkrankungsrate von 30 Prozent würde eine achtwöchige Grippewelle fast 100 000 Menschen das Leben kosten, vorausgesetzt, es wird keinerlei Prophylaxe oder Therapie angeboten.

Ein Schreckens-Szenario, das jeder Grundlage entbehrt? "Grippe-Pandemien sind historische Tatsachen und wurden auch bei der Spanischen Grippe 1918 ursprünglich durch ein Vogelvirus ausgelöst", argumentierte Dr. Udo Buchholz vom RKI. Nicht einmal Abwarten sei gerechtfertigt. "Die Vorbereitung beginnt jetzt!" Arbeitsschutz, Risikokommunikation, Impfstrategien, medikamentöse Prophylaxe, Therapiepläne - alles liegt fertig in der Schublade. Wir befinden uns bereits in einer Warn-Phase, für die es genaue Handlungsanweisungen gibt, ebenso wie für die Prä-, Akut- und Post-Pandemiephase.

Alles gründlich geplant, aber wenig praktikabel, bemängelte Windorfer. Statt über Notfallpläne für die Gesamtbevölkerung zu brüten, sollte man sich zunächst um den kleinen Kreis der primär Gefährdeten kümmern. Das sind außer Geflügelhaltern auch Feuerwehr und Katastrophenschutz, die die Massentötung infizierter Tiere zur Eindämmung der Erreger übernehmen müssen.

Sollte H5N1 tatsächlich in Deutschland auftauchen - was bei der intensiven Suche nach verendeten Wildvögeln zu erwarten ist - sind ohnehin zunächst Veterinäre gefragt. Sie werden am Tag X vermutlich vorsorgliche Tiertötungen anordnen. Umfang und Reichweite der Maßnahmen seien aber recht unklar, beklagt Professor Thomas Blaha von der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

Monitoring garantiert schnelle Diagnose bei Geflügel

Ungeachtet dessen garantieren die im NieKE vertretenen Verbände der Deutschen Geflügelwirtschaft, daß sie "Maßnahmen der Biosicherheit kompromißlos durchsetzen" werden. Sie verweisen auf das vorbildliche Monitoring bei Geflügel, das eine schnelle Diagnose garantiert. Das Töten aller Tiere eines Bestandes könnte innerhalb von 48 Stunden umgesetzt werden. Immer vorausgesetzt, alle arbeiten Hand in Hand.

Lesen Sie dazu auch: Merkblatt mit Tips zum Schutz vor Vogelgrippe China bekommt die Vogelgrippe nicht in den Griff Warum kleine Risiken bei vielen große Angst hervorrufen

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

© piyato | iStock

Vaginalmykose im Fokus

Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

© iStock / okskukuruza

Vaginale Gesundheit

Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz

Opioid-induzierte Obstipation

Paradigmenwechsel in der Behandlung: Vom Stuhl zum Nervensystem

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Grünenthal GmbH, Aachen
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Interview zum Urologie-Kongress

Wie wird KI die Urologie verändern, DGU-Präsidentin Krege?

Lesetipps
Eine Glühbirne

© Sergey Nivens / stock.adobe.com

Überblick

Zu unserer Themenseite Praxiswissen

Ältere Frau bei einer Psychiotherapie

© Herbie / Fotolia

Multimodale Therapie

Dystonien: Welche alternativen Therapieansätze gibt es?

Smartphones mit Gemini und Chat-GBT

© Lorenzo Di Cola | NurPhoto / picture alliance

Künstliche Intelligenz

Warum die KI eine Hausärztin fälschlicherweise für tot erklärte