Ärzte Zeitung, 10.02.2006

KOMMENTAR

H5N1 ist für Afrika keine Katastrophe

Von Thomas Müller

Noch ist es nur ein begrenzter Ausbruch in Afrika - dieser könnte sich jedoch schnell zu einem Flächenbrand ausweiten.

Denn die Voraussetzungen, daß sich das Vogelgrippe-Virus in Afrika festsetzt, sind für den Erreger ähnlich günstig wie in Asien: Geflügel in den meisten ländlichen Haushalten, Armut und Unwissenheit in der Bevölkerung. Dazu kommt ein marodes Staatssystem, das in vielen afrikanischen Ländern nicht in der Lage sein wird, wirksam gegen eine Tierseuche vorzugehen.

Dennoch - Afrika steht nicht vor einer neuen Katastrophe. Die Afrikaner leben nicht allein von Hühnern. Die Lebensgrundlage großer Bevölkerungsteile dürfte auch bei einer großflächigen Tier-Epidemie nicht so gefährdet sein, wie es die Vereinten Nationen befürchten.

Da gibt es auf dem Kontinent gravierendere Probleme - etwa Aids. Läßt sich die Vogelgrippe nicht stoppen, wird man mit ihr leben können. Gelassen sollten auch die Europäer reagieren, wenn demnächst Zugvögel das Virus aus Afrika mitbringen und vereinzelt Ausbrüche auslösen. Denn solange die Vogelgrippe eine Vogelkrankheit bleibt, ist sie vor allem für Vögel ein Problem.

Lesen Sie dazu auch:
UN besorgt über Vogelgrippe in Nigeria

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