Ärzte Zeitung, 29.04.2013
 

Infektionen in China

Forscher mahnt Impfstoff gegen Vogelgrippe an

Vogelgrippe breitet sich in China weiter aus. Noch ist der Erreger wenig erforscht. Vorrangig sei die Entwicklung eines Impfstoffs, betont ein Experte.

BERLIN. "Die Gefahr, dass H7N9 sich über Geflügel bis nach Europa verbreitet, ist nicht besonders groß", sagte der Virologe Professor Albert Osterhaus aus Rotterdam.

Die WHO hatte vor wenigen Tagen "in seltenen Fällen" Mensch-zu-Mensch-Übertragungen unter engen Familienmitgliedern vermutet. H7N9 sei aber vor allem ein Tiervirus, das auf Menschen überspringen könne, hieß es.

Osterhaus ergänzte: "Allerdings hatten 40 Prozent der Erkrankten offenbar keinerlei Kontakt zu Geflügel. Das war beim Vogelgrippeerreger H5N1 damals ähnlich. Wir verstehen die Übertragungswege also noch nicht vollständig."

Neuraminidasehmmer scheinen anzusprechen

Forscher der Universität Zhejiang in Hangzhou hatten mit Genanalysen bestätigt, dass H7N9-Viren zumindest von Hühnern auf Menschen übertragen werden können.

Das Erbgut der Viren eines Patienten ähnelte stark dem von Viren eines infizierten Huhns von einem Geflügelmarkt in China. Die Forscher um Lanjuan Li hatten Proben von Vögeln aus sechs Geflügelmärkten analysiert (Lancet 2013; online 25. April).

H7N9-Viren fanden sich in zwei von fünf untersuchten Tauben und vier von 20 Hühnern, nicht aber in 57 getesteten Enten und vier Wachteln.

Wie gefährlich H7N9 werden könne, sei derzeit schwer einzuschätzen, sagte Osterhaus: "Wir sollten uns jetzt so stark wie möglich auf die Entwicklung von Impfstoffen konzentrieren, vor allem, weil wir nicht genau wissen, ob das Virus nicht doch die Fähigkeit hat, sich sehr viel weiter auszubreiten als bisher."

"An verschiedenen Orten, auch an unserem Labor, hat die Entwicklung eines Impfstoffes schon begonnen", so Osterhaus. Bis er jedoch gefunden, getestet und schließlich hergestellt sei, würden Monate vergehen. Neuraminidasehmmer schienen jedoch anzusprechen. "Das ist beruhigend. Aber wir wissen, dass sich das schnell ändern kann."

In China hat der Erreger H7N9 mehr als 100 Menschen infiziert und ist auch in Taiwan aufgetaucht.

Osterhaus gilt weltweit als einer der führenden Vogelgrippe-Experten. (dpa)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Gegen Husten taugen Medikamente wenig

Abwarten und Tee trinken, mehr wollen US-Experten gegen erkältungsbedingten Husten nicht empfehlen. Allenfalls etwas Honig bei Kindern halten sie noch für geeignet. mehr »

Erst krebskrank, dann Hypertoniker

Überlebende von Krebserkrankungen in der Kindheit tragen ein erhöhtes Hypertonierisiko: Im Alter von 50 Jahren sind 70 Prozent betroffen. mehr »

Macht das Stadtleben krank?

Stadtluft kann Schizophrenie begünstigen, glauben Wissenschaftler. Ein Chefarzt der Charité fordert deshalb eine Public-Mental-Health-Strategie für urbane Räume. mehr »