Ärzte Zeitung online, 27.04.2018

Robert Koch-Institut

FSME breitet sich weiter aus

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis ist in Deutschland auf dem Vormarsch, meldet das RKI. Zehn Kreise sind als neue FSME-Risikogebiete hinzugekommen - wir zeigen alle in einer Deutschland-Karte.

Von Wolfgang Geissel und Thorsten Schaff

FSME breitet sich weiter im Osten aus

Das RKI warnt vor der Ausbreitung. Insbesondere Sachsen hat derzeit massiv mit FSME zu kämpfen.

© Henrik Dolle / Fotolia

BERLIN. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat die neue FSME-Risikokarte veröffentlicht (Epi Bull 2018; 17: 161). Zehn Land- oder Stadtkreise sind als neue Risikogebiete hinzugekommen.

Neue Risikogebiete für Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) kristallisieren sich vor allem im Osten Deutschlands heraus. Nachdem 2014 der Vogtlandkreis als erstes FSME-Risikogebiet in Sachsen ausgewiesen wurde, kommen dort nun drei weitere hinzu: Erzgebirgskreis, Bautzen und Zwickau.

In Thüringen sind der Ilm-Kreis und der Stadtkreis Suhl hinzugekommen. Alle diese Kreise grenzen an bekannte Risikogebiete. Das gilt auch für die fünf neuen Risiko-Landkreise in Bayern: München, Günzburg, Augsburg, Weilheim-Schongau und Starnberg (Epi Bull 2018; 17: 161).

Bundesweit finden sich jetzt 156 Kreise mit erhöhten FSME-Risiken (siehe unten stehende Landkarte). Außer Bayern sind dabei vor allem Baden-Württemberg, Südhessen und das südöstliche Thüringen betroffen, berichtet das RKI.

Einzelne Risikogebiete gibt es zudem in Mittelhessen (Marburg-Biedenkopf), im Saarland (Saar-Pfalz-Kreis) und in Rheinland-Pfalz (Birkenfeld).

Auch treten Einzelfälle immer wieder außerhalb dieser Regionen auf, etwa in Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern Niedersachsen und NRW. In Niedersachsen deuten zudem Seroprävalenzstudien bei Waldarbeitern auf mögliche Infektionen hin.

485 FSME-Fälle im vergangenen Jahr

2017 wurden 485 Fällen FSME-Erkrankungen an das RKI übermittelt und damit besonders viele. Abhängig vom Wetter und Freizeitaktivitäten in der Natur schwanken die jährlichen Fallzahlen stark zwischen einem Minimum von 195 (2012) und einem Maximum von 546 im Jahr 2006.

Vergangenes Jahr hatte dabei jeder zweite Betroffene eine neurologische Manifestation mit Meningitis, Enzephalitis oder Myelitis. 97 Prozent der 2017 gemeldeten FSME-Patienten waren nicht oder nicht ausreichend geimpft.

Die FSME-Impfung wird allen Menschen empfohlen, die sich in Risikogebieten aufhalten und dabei gegenüber Zecken exponiert sind. Das gilt vor allem auch für Urlauber in solchen Regionen. Besonders mit zunehmendem Alter wächst die Gefahr für schwere Verläufe.

Die Impfquoten stagnieren allerdings in den letzten Jahren oder nehmen sogar ab, kritisiert das RKI. Das zeigt die Zahl der abgegebenen Impfdosen, die sich seit neun Jahren auf einem niedrigen Niveau eingependelt haben.

Impfraten wurden bisher nur bei Schulanfängern erhoben worden: Sie lagen bei ABC-Schützen aus Risikogebieten mit hoher Inzidenz bei 39 Prozent, in anderen Risikogebieten bei 31 Prozent und in Nicht-Risikogebieten bei zehn Prozent.

Wie das Beispiel Österreich zeigt, ließe sich auch in Deutschland mit höheren Impfquoten ein großer Anteil der auftretenden FSME-Erkrankungen verhindern, betont das RKI.

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