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Ärzte Zeitung online, 06.12.2018

Qualitätsmonitor 2019

Frühchen in Deutschland – zu viele und oft schlecht versorgt

Ärzte schlagen Alarm: In Deutschland steigt die Zahl der Frühgeburten unter 1500 Gramm. Bei der Versorgung von Frühgeborenen gibt es zugleich große Qualitätsdefizite.

Von Anno Fricke

Frühchen in Deutschland – zu viele und oft schlecht versorgt

Frühchen mit einem Geburtsgewicht unter 1500 Gramm haben schlechtere Überlebenschancen, wenn sie in Kliniken zur Welt kommen, die weniger als 34 Frühchen im Jahr versorgen. Das ergab eine Analyse für den Qualitätsmonitor 2019.

© Tobilander / stock.adobe.com

BERLIN. „Die Studienlage ist eindeutig“, berichtete Professor Rainer Rossi, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Vivantes-Klinikum im Neukölln. Internationale Untersuchungen belegten, dass Kliniken mit höheren Fallzahlen und besserer Ausstattung auch erfolgreicher arbeiteten, sagte er bei der Vorstellung des „Qualitäts-Monitors 2019“ am Donnerstag in Berlin. Der Report wird vom AOK-Bundesverband und dem Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) zusammen mit der Gesundheitsstadt Berlin und den IQM herausgegeben.

Frühchen mit einem Geburtsgewicht unter 1500 Gramm haben dem Report zufolge schlechtere Überlebenschancen, wenn sie in Kliniken zur Welt kommen, die weniger als 34 Frühchen im Jahr versorgen, wie Rossi berichtet. Die Sterblichkeit liegt in diesen Häusern sogar um 50 Prozent höher als in Kliniken, die im Jahr 91 Frühgeburten und mehr versorgten, so die Analyse auf Basis von AOK-Abrechnungsdaten.

Derzeit liegt die Mindestmenge bei 14. Der vom Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) ursprünglich auf 30 festgelegte Wert hatte nach Klagen vor den Sozialgerichten gekippt werden müssen. Um wenigstens Mindeststandards bei den Strukturen zu setzen, hatte der GBA in der Folge stattdessen die Personalanforderungen für die Frühchen-Versorgung nach oben geschraubt. Inzwischen haben sich die gesetzlichen Voraussetzungen allerdings verbessert. Man habe jetzt die Möglichkeiten, Konsequenzen zu ziehen, sagte Rossi.

„Jedes Jahr ohne ordentliche Mindestmenge hat in diesem sensiblen und komplexen Versorgungsbereich fatale Folgen für die betroffenen Kinder und ihre Eltern“, sagte AOK-Bundesverbandschef Martin Litsch am Donnerstag. Er warf Ländern und den Vertretern der Krankenhäuser eine „Strategie der Verschleppung“ vor.

In Deutschland wurden 2016 nach Zahlen der Selbsthilfe rund 11.000 Kinder vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren. Die Zahl der Frühgeburten unter 1500 Gramm habe zwischen 2008 und 2017 um 21 Prozent zugenommen, verwies Rossi.

Es gelte nun, zum einen die Frühgeborenen-Raten zu senken durch eine Strukturdiskussion für die Geburtshilfe und zum anderen neue, höhere Mindestmenge für Frühgeborene festzulegen“, forderte Rossi, der auch Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM) ist.

Sinnvoll ist seiner Auffassung nach ein abgestuftes Versorgungskonzept. Je mehr Komplikationen es in einer Schwangerschaft gebe, desto eher sollte die Versorgung in einem höchstqualifizierten Zentrum erfolgen, so Rossi.

Wir haben den Bericht am 07.12 2018 um 12 Uhr ergänzt: Die Zunahme der Frühgeburtenrate bezieht sich nur auf die Frühchen mit einem Gewicht unter 1500 Gramm.

Lesen Sie dazu auch:
AOK fordert Debatte über „Gelegenheitschirurgie“

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