Qualitätsmonitor 2019

AOK fordert Debatte über „Gelegenheitschirurgie“

In der Mamma- und Herzchirurgie sowie in der Frühchenversorgung hakt es mit der Qualität bei den Minimalversorgern. Der AOK-Chef spricht schon von einem „Desaster“.

Von Anno FrickeAnno Fricke Veröffentlicht:
Krankenhäuser in der Kritik: Wo zu wenig operiert wird, fehlt es dann im Op oft an Qualität, moniert die AOK.

Krankenhäuser in der Kritik: Wo zu wenig operiert wird, fehlt es dann im Op oft an Qualität, moniert die AOK.

© [M] Kzenon / stock.adobe.com

BERLIN. Qualität ist seit Jahren ein Leitmotiv der Gesundheitspolitik. Jetzt hat AOK-Bundesverbandschef Martin Litsch vor einem Scheitern der Qualitäts-Agenda gewarnt. „Für Mindestmengen und qualitätsorientierte Krankenhausplanung interessiert sich doch keiner mehr“, sagte Litsch bei der Vorstellung des Qualitäts-Monitors 2019 am Donnerstag in Berlin.

Die Gesetzgebung sei nicht mehr mit Qualitätsansprüchen verlinkt. Die Implementierung von planungsrelevanten Qualitätsindikatoren in die Krankenhausplanung nannte Litsch ein „Desaster“. Er forderte den Gesetzgeber auf, die Umsetzung der Indikatoren mit einer Fortschreibung des Krankenhausstrukturgesetzes zu beschleunigen.

Es gebe klare Hinweise darauf, dass höhere Fallzahlen mit einer geringeren Sterblichkeit einhergingen, sagte Jürgen Klauber, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), das den Qualitätsreport gemeinsam mit der Gesundheitsstadt Berlin und der Initiative Qualitätsmedizin herausgibt.

Von den 781 Krankenhäusern, in denen im Jahr 2016 Mammachirurgie erfolgte, hätten 187 maximal acht Eingriffe im Jahr vorgenommen, weitere knapp 200 lediglich 26 Eingriffe. Das sei „Gelegenheitschirurgie“, die die Überlebenswahrscheinlichkeit der Patientinnen gegenüber einer Behandlung in einem Zentrum senke, sagte Klauber.

Auch bei Aortenklappen-Op’s lasse sich dieser Zusammenhang aufzeigen, sagte Klauber. Knapp ein Drittel der Kliniken versorgten weniger als 100 Fälle pro Jahr mit diesen Implantaten. Die Zahl der Todesfälle in der Folge sei in diesen Häusern im Vergleich mit der Zahl der zu erwartenden Todesfälle um 46 Prozent erhöht.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft reagierte prompt. Der Qualitäts-Monitor arbeite mit veralteten Zahlen. Von den 92 Krankenhäusern, die Herzklappen implantierten, lägen nur elf unter 100 Operationen im Jahr, sagte DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum.

Die Aufforderung zu handeln richteten die Referenten auch an den Gemeinsamen Bundesausschuss. Die Bedingungen, Mindestmengen für Eingriffe festzulegen, hätten sich deutlich verbessert, sagte Professor Rainer Rossi vom Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin. Es gebe eine gesetzliche Klarstellung, es gebe ausreichend Versorgungsdaten und zudem seit Juni 2018 eine Grundsatzvereinbarung zu Mindestmengen im GBA.

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