Ärzte Zeitung, 24.09.2004

Auslöser von Harnblasen-Ca lauern in Farben, Bier und Medikamenten

Aromatische Amine gilt es zu meiden / Regelmäßige Vorsorge bei Risikogruppen nötig

ESSEN (bib). Harnblasenkrebs ist häufig. Jährlich erkranken in Deutschland 15 000 Menschen daran. 64 700 Lebensjahre gehen dadurch jährlich verloren. Dabei gibt es Möglichkeiten vorzubeugen: etwa durch Verzicht aufs Rauchen, Vermeiden chronischer Harnwegsinfekte, und indem berufsbedingte Risiken erkannt und soweit möglich vermieden werden.

Vor allem wenn häufig mit Chemikalien gearbeitet wird, die aromatische Amine enthalten, ist das Risiko für Harnblasenkrebs erhöht. Foto: PhotoDisc

"Trotz strenger Kontrolle des Arbeitsplatzes muß man auch heute beruflich induzierte Blasentumoren erwarten", so Professor Thomas Otto aus Essen (Der Urologe 5, 2004, 562). Gefährdet sind Beschäftigte in der Industrie, etwa in Kunststoff-, Strahlen-, Druck- und Textilindustrie, aber auch Chemielaboranten, Friseure und Kammerjäger.

Klassische Verursacher von Blasentumoren sind aromatische Amine, die über Gastrointestinaltrakt, Lunge und Haut aufgenommen werden. Otto: "Dies ist einer der Gründe für die hohe Inzidenz von Blasentumoren bei den japanischen Kimono-Malern, die ihre Pinsel ablecken und somit Azofarbstoffe auch enteral aufnehmen."

Zigarettenraucher haben erhöhtes Harnblasen-Ca-Risiko

Risiken birgt nicht nur der Beruf: Zigarettenraucher haben zwei- bis sechsmal öfter Blasentumoren als Nichtraucher. Bier ist ein Risikofaktor, zumindest, wenn es nicht nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut wurde. Selbst Trinkwasser kann gefährlich werden, wenn es Arsen oder organische Chlorverbindungen enthält.

"Nach Schätzungen in den USA, Spanien, Italien und Deutschland werden 15 Prozent der Harnblasenkarzinome und sieben Prozent der Todesfälle durch Harnblasenkrebs durch kontaminiertes Trinkwasser verursacht", so Otto.

Weitere Risikofaktoren sind chronische Entzündungen, bei denen Nitrosamine gebildet werden, chronische Harnwegsinfekte, vor allem bei Dauerkatheterträgern oder Steinleiden - hierbei entstehen vor allem Plattenepithelkarzinome -, Bilharziose, Balkan-Nephropathie und chronisch interstitielle Nephritis. Eindeutig mit Blasen-Ca in Verbindung gebracht worden sind drei Medikamente: das bis 1963 bei Polyzythämie verwendete Chlornaphazin, Phenacetin und Cyclophosphamid. Otto rät daher nach länger dauernder Cyclophosphamid-Therapie zu regelmäßigen urinzytologischen Tests.

Die genannten Karzinogene sind jedoch nicht urothelspezifisch.

Erhöhtes Krebs-Risiko besteht bei Neoblase weiterhin

"Gelangt karzinogentragender Urin in andere Organe, treten Karzinome in ähnlicher Häufigkeit und Geschwindigkeit auf wie in der Harnblase", so Otto. Das ist wichtig bei Patienten, die nach Therapie bei Blasenkarzinom etwa einen Pouch, eine Neoblase oder eine Harnableitung über den Enddarm haben.

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