Ärzte Zeitung, 10.01.2005

Krebskranke benötigen sofort starke Opioide

Vorteil im Vergleich zur Behandlung nach dem WHO-Stufenschema auch bei leichten bis moderaten Beschwerden

L’AQUILA (run). Patienten mit fortgeschrittener Krebserkrankung und Schmerzen profitieren - selbst bei nur milden bis moderaten Beschwerden - von einer sofortigen Behandlung mit starken Opioiden. Diesen Schluß ziehen italienische Wissenschaftler aus einer Therapie-Vergleichsstudie.

An der Untersuchung nahmen 100 Krebspatienten teil, die wegen ihrer fortgeschrittenen Erkrankung nur noch palliativ behandelt werden konnten. Sie litten unter viszeralen Schmerzen mit einer Intensität von höchstens 6 auf einer visuellen Analogskala bis 10 (stärkster Schmerz).

Die eine Hälfte der Patienten wurde nach dem WHO-Stufenschema zur Schmerztherapie behandelt, das heißt beginnend mit nicht-Opioid Analgetika über schwache Opioide bis hin zu starken Opioiden. Die andere Hälfte erhielt gleich ein starkes Opioid. Je nach Symptomatik konnten zudem in beiden Gruppen Co-Analgetika angewendet werden. Einmal pro Woche wurde dann die Qualität der Schmerzlinderung geprüft und bei Bedarf die Behandlung verändert (J Pain and Symptom Management 2004, 27, 409).

Nach einer durchschnittlichen Behandlungszeit von gut zehn Wochen kamen die Wissenschaftler von der Abteilung für Anästhesie und Schmerztherapie der Universität von L’Aquila zu dem Ergebnis, daß die sofortige Behandlung mit einem starken Opioid dem strikten Vorgehen nach dem WHO-Stufenschema überlegen ist.

So wurde zwar in beiden Gruppen die Schmerzintensität im Vergleich zur Ausgangssituation signifikant gebessert. Beim Start gleich mit einem starken Opioid wurde jedoch insgesamt eine noch bessere Schmerzlinderung (durchschnittlich -2,6 Punkte auf der VAS-Skala) erzielt als bei einer abgestuften Behandlung (-1,9 Punkte).

Die Patienten mit einem starken Opioid waren zudem zufriedener mit der Therapie und es waren seltener Therapieumstellungen nötig.

Diese Vorteile einer sofortigen Opioid-Therapie seien gerade bei Patienten mit fortgeschrittener Krebserkrankung wichtig, so die italienischen Wissenschaftler. Denn diese Patienten seien häufig bereits in einem sehr schlechten Allgemeinzustand und hätten ein hohes Risiko für Nebenwirkungen vor allem durch Nicht-Opioid-Analgetika.

Im Hinblick auf diese Ergebnisse eignet sich nach Ansicht von Dr. Thomas Nolte, Schmerztherapeut aus Wiesbaden, bei der Wahl eines starken Opioids für die Behandlung älterer und multimorbider Krebspatienten besonders retardiertes Hydromorphon (Palladon®). Vorteile seien die geringe Plasmaeiweißbindung, die Cytochrom-P-450-unabhängige Verstoffwechselung sowie das geringe Interaktionspotential.

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