Ärzte Zeitung, 23.11.2006

Myelom-Patienten profitieren von neuer Kombitherapie

Lenalidomid plus Dexamethason hilft alten Patienten mit Multiplem Myelom / Dexamethason-Monotherapie ist unterlegen

LEIPZIG (nsi). Deutlich mehr Patienten mit Multiplem Myelom sprechen auch nach einer Therapie noch auf die Kombinationsbehandlung Dexamethason plus Lenalidomid an als auf das Glukokortikoid allein. Das geht aus den Ergebnissen von Phase-III-Studien hervor.

Patienten mit Multiplem Myelom sind noch nicht heilbar. Ist die Indikation zur Therapie gegeben und sind die Patienten in guter körperlicher Verfassung, gilt derzeit eine Hochdosis-Chemotherapie kombiniert mit autologer Stammzelltransplantation als Standard. Für alte und komorbide Patienten ist dies keine Option.

Die Daten zur Kombinationstherapie mit Dexamethason und Lenalidomid (in den USA als Revlimid® bereits zugelassen) hat Professor Hermann Einsele von der Uniklinik Würzburg bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie in Leipzig vorgestellt.

    Die Patienten mit Kombitherapie lebten noch 30 Monate.
   

Lenalidomid gehört in dieselbe Substanzklasse von Immunmodulatoren wie Thalidomid. Lenalidomid ist aber besser verträglich als Thalidomid, hat eine stärkere antiproliferative Wirkung als die Ausgangssubstanz, fördert die Erythropoese und bremst zudem Entzündungsreaktionen.

Die MM009-Studie mit 341 zuvor intensiv behandelten, therapierefraktären Patienten wurde in den USA gemacht, an der MM010-Studie mit 351 ebenfalls therapierefraktären Teilnehmern haben sich europäische und australische Zentren beteiligt. Die Teilnehmer der Studien waren im Durchschnitt 63 Jahre alt, sechs von zehn hatten bereits eine Hochdosis-Chemotherapie mit Stammzelltransplantation. Die Patienten erhielten 25  mg Lenalidomid am Tag (für drei Wochen alle 28 Tage) plus 40  mg Dexamethason täglich oder Dexamethason plus Placebo.

In beiden Studien hätten die Ansprechraten bei 59 Prozent versus 21 bis 24 Prozent unter Dexamethason alleine gelegen, so Einsele. Der Anteil der Komplettremissionen betrug in den Verum-Gruppen fast 13 und 15 Prozent, in den Kontroll-Gruppen dagegen nur zwischen 3 und 4 Prozent. Komplette Remission bedeutet, daß in Blut und Urin das von den Plasmozytomzellen synthetisierte M-Protein (Myelomprotein, Paraprotein), ein Immunglobulin, nicht mehr nachweisbar ist, und zwar mindestens bei zwei Tests, die sechs Wochen auseinanderliegen.

Im Durchschnitt lebten die Patienten unter Dexamethason allein 20 Monate, in den Gruppen mit zusätzlich Lenalidomid etwa 30 Monate. "Im Vergleich zur Dexamethason-Monotherapie wirkt die Kombinationsbehandlung deutlich besser", resümierte Einsele auf der von Celgene unterstützten Veranstaltung. Es sei sinnvoll, Lenalidomid auch in Kombination mit solchen Zytostatika zu prüfen, die sich beim Multiplem Myelom bewährt haben, etwa mit Melphalan und dem Proteasom-Hemmer Bortezomib.

STICHWORT

Multiples Myelom

Das Multiple Myelom ist das zweithäufigste hämatologische Malignom und wird jährlich bei etwa 40 000 Menschen in Europa neu diagnostiziert. Plasmazellen sind maligne entartet: Sie bilden nur noch eine Art von Antikörpern oder Bruchstücke davon (Paraproteine), meist IgG (60 Prozent der Patienten). Bei 20 Prozent der Patienten ist es IgA, bei den übrigen IgD, IgE oder IgM. Die Paraproteine erfüllen in der Regel ihre natürliche Funktion nicht, außerdem wird die normale Hämatopoese gehemmt. Die Patienten werden sehr infektanfällig, eine Grippeimpfung ist daher sinnvoll. Bei der Erkrankung entstehen Substanzen, die die Osteoklasten aktivieren und so den Knochenabbau mit vermehrter Kalziumfreisetzung fördern. Protein- und Kalziämie können die Niere irreversibel schädigen bis hin zum terminalen Nierenversagen. (nsi)

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