Ärzte Zeitung, 30.11.2011

Schluckimpfung aus Hefezellen

SAARBRÜCKEN (eb). Forschern der Saar-Uni ist es gelungen, ein Transportsystem zu entwickeln, mit dem spezialisierte Zellen des menschlichen Immunsystems gezielt adressiert werden können.

In ihren Versuchen haben die Wissenschaftler um Dr. Frank Breinig funktionelle Nukleinsäuren in gentechnisch veränderte Hefezellen gepackt. Die Hefezellen werden von bestimmten Immunzellen erkannt und aufgenommen, sodass die Nukleinsäuren dann zur Aktivierung des Immunsystems führen können.

Breinigs Arbeiten legen einen wichtigen Grundstein im Kampf gegen Tumorerkrankungen und Infektionskrankheiten wie HIV. Die verwendeten Hefezellen sind unbedenklich und könnten bei einer möglichen Schluckimpfung verwendet werden.

"Die gängigen Impfstoffe, zum Beispiel gegen Tetanus, helfen dem menschlichen Organismus dabei, Antikörper zu bilden", wird Breinig, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Molekular- und Zellbiologie der Universität des Saarlandes, in einer Mitteilung der Universität zitiert.

Impfstoffe haben bisher ihre Grenzen

Bei der Infektion mit Erregern wie HIV und HCV oder bei der Krebstherapie seien dieser Form der Impfung allerdings Grenzen gesetzt.

Weltweit sind Forscher derzeit bemüht, neue Impfmethoden zu entwickeln, die andere Teile des Immunsystems aktivieren können. Bei neuen Ansätzen seien die zytotoxischen T-Lymphozyten von herausragender Bedeutung, so Breinig.

Diese Zellen könnten gezielt virusinfizierte Zellen oder Tumorzellen bekämpfen. Um diese T-Zellen zu aktivieren, haben Wissenschaftler in den vergangenen Jahren mit verschiedenen Transportsystemen versucht, funktionelle Nukleinsäuren in menschliche Immunzellen zu schleusen.

Hefezelle wird zur Fähre

Aufgrund der verwendeten Vehikel ist es jedoch noch nicht gelungen, nur bestimmte Immunzellen zu erreichen. Bei früheren Versuchen wurden immer wieder andere Zellen, etwa Muskelzellen, mit Nukleinsäuren infiziert.

Breinig entwickelte nun erstmals ein Transportsystem, indem Nukleinsäuren mittels speziell veränderter Hefezellen eingeschleust werden.

Die Hefezellen werden ihrerseits nur von bestimmten Zellen des Immunsystems erkannt und aufgenommen. So könne die Nukleinsäure gezielt in den gewünschten Zelltyp eingeschleust und das Immunsystem aktiviert werden, so Breinig.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Neu aufgetretene Migräne bei Älteren ist ein Warnsignal!

Patienten, die erst nach dem 50. Lebensjahr eine Migräne mit Aura entwickeln, haben offenbar ein signifikant erhöhtes Schlaganfallrisiko. Ursache könnten (Mikro-)Embolien sein. mehr »

Diabetes geht auch auf die Knochen

Auch wenn Diabetiker häufig Probleme mit Knochen und Gelenken haben, besteht meist kein kausaler Zusammenhang. Doch es gibt seltene ossäre Erkrankungen, die durch die Stoffwechselerkrankung verursacht werden. mehr »

Weniger Kostenrisiko für zu Pflegende

Über den Bundesrat soll ein Paradigmenwechsel in der Finanzierung der Pflegeversicherung herbeigeführt werden. Ziel: Kostenrisiken von Pflegebedürftigen entschärfen. mehr »