Ärzte Zeitung online, 24.10.2013

Nachsorge

Aufmerksam für die Angst vor Krebs-Op

Starke psychosoziale Belastungen bei urologischen Tumorpatienten zu erkennen gehört zur qualifizierten Nachsorge.

DRESDEN. Durch eine Krebserkrankung werden psychisch Gesunde häufig erheblich psychosozial belastet. Bei bereits psychisch kranken Menschen kann es zu einer Verschlechterung der psychischen Symptome kommen, wie Dr. Hermann J. Berberich, Facharzt für Urologie, Andrologie und Psychotherapie aus Hofheim im Taunus beim DGU-Kongress in Dresden berichtete.

Speziell bei urologischen Tumorpatienten gebe es kaum Längsschnittuntersuchungen. Bei Krebspatienten allgemein seien die häufigsten subsyndromalen psychischen Belastungen Distress (49 %), starke Ängste (48 %), Progressionsangst (32 %) und Niedergeschlagenheit (58 %).

Hodentumorpatienten leiden stichpunktartigen Untersuchungen zufolge auch drei Jahre nach Beendigung der Behandlung wesentlich häufiger unter Ängstlichkeit und Depressivität als die Allgemeinbevölkerung.

Die meisten Untersuchungen liegen zum Prostatakarzinom vor. Bei Prostata-Ca-Patienten ist die psychische Belastung wenige Tage vor der Operation am stärksten, ergab eine Studie an der Uni Hamburg-Eppendorf.

Gedanken drängen sich auf

31 % der Patienten leiden unter einer moderaten bis hohen Ängstlichkeit, 21 % unter moderater bis hoher Depressivität.

Der Anteil der Patienten mit posttraumatischen Belastungsstörungen sei mit 5 % deutlich niedriger als bei Patienten mit einer anderen Tumorerkrankung (20 %), sagte Berberich.

Allerdings leiden 37,5 % der Patienten unter einzelnen Symptomen einer posttraumatischen Belastungsstörung, wie Intrusionen (wiederkehrende, sich aufdrängende Gedanken an die Krankheit).

Bereits 15 Wochen nach OP sinkt die Prävalenz erhöhter Ängstlichkeit auf fast die Hälfte, die Prävalenz von Depressivität und posttraumatischen Belastungsstörungen ist gleich.

Ein Viertel der Patienten klagt nach wie vor über Intrusionen, 14 % über Vermeidungssymptome und 14 % über Übererregungssymptome, wie Schlafstörungen. Bei Prostatakarzinompatienten korreliert das Ausmaß der psychischen Belastungen mit dem Ausmaß der Inkontinenz und den sexuellen Funktionsstörungen.

13 % der Patienten haben erhöhte Angst vor einer Tumorprogression. Angstauslöser ist weniger die Höhe des PSA-Werts, sondern dessen Schwankungen.

Ältere Prostata-Ca-Patienten sind weniger ängstlich, leiden aber stärker unter körperlichen Einschränkungen und Depressivität. Ältere unverheiratete Patienten sind weit stärker emotional belastet als verheiratete. (eb)

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