Ärzte Zeitung, 09.01.2015

Krebs

Neuer Ansatz gegen Metastasierung

Mit niedrigdosierter Chemo plus Antikörper bekommen Mäuse weniger Metastasen und leben länger.

HEIDELBERG. Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg suchten nach neuen Wegen, um bei Krebserkrankungen die Entstehung von Metastasen zu verhindern.

Dazu haben die Wissenschaftler das Molekül Angiopoietin-2 ins Visier genommen, teilt das DKFZ mit. Es wird von Endothelzellen gebildet und spielt eine zentrale Rolle bei der Angiogenese.

Die Forscher um den Mannheimer Zell- und Tumorbiologen Professor Dr. Hellmut G. Augustin übertrugen Brust- oder Lungenkrebszellen auf Mäuse, ließen Tumoren heranwachsen und entfernten sie zu einem frühen Zeitpunkt operativ.

Um Metastasen vorzubeugen, erhielten die Tiere nach der operativen Behandlung verschiedene Arten der Chemotherapie sowie teilweise zusätzlich einen blockierenden Antikörper gegen Angiopoietin-2 (Cancer Cell 2014; 26(6): 880-895).

Während die Chemotherapie allein nicht wirksam war, entwickelten mit dem Angiopoietin-2-Antikörper behandelte Tiere deutlich weniger Metastasen in Lunge und Knochen als ihre unbehandelten Artgenossen, heißt es in der Mitteilung.

Gesteigert wurde dieser Effekt durch die Kombination des Antikörpers mit einer so genannten metronomen Chemotherapie: Dabei werden die zytostatischen Substanzen niedrigdosiert dauerhaft verabreicht.

Mäuse, die die Kombinationstherapie erhielten, lebten länger als diejenigen Tiere, die lediglich mit dem Antikörper gegen Angiopoietin-2 behandelt wurden, so das DKFZ.

In anschließenden Gewebeanalysen untersuchten die Wissenschaftler, was die Kombinationstherapie genau bewirkt.

Dabei entdeckten sie, so das DKFZ, dass Angiopoietin-2 nicht nur das Gefäßwachstum fördert, sondern darüber hinaus auf die Endothelzellen zurückwirkt und sie dazu anregt, tumorfördernde Makrophagen in die Umgebung der Krebszellen zu locken.

Wurde Angiopoietin-2 blockiert, wanderten deutlich weniger krebsfördernde Immunzellen in die Tumorumgebung ein.

Die niedrigdosierte metronome Chemotherapie, die die Wirksamkeit des Therapieansatzes weiter steigerte, richtet sich im Gegensatz zur herkömmlichen Hochdosis-Chemotherapie nicht primär gegen die Tumorzellen selbst, sondern verhindert, dass sich bestimmte Zellen aus dem Knochenmark im Tumor ansiedeln, die ebenfalls das Tumorwachstum fördern, so das DKFZ. (eb)

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