Ärzte Zeitung, 17.01.2017
 

Kopf-Hals-Tumoren

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine USStudie für jegliche Tumorgruppen. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben gar 67 Prozent höher.

Von Peter Leiner

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

HP-Virus: Derzeit ist noch unbekannt, wie der Erreger das Immunsystem moduliert.

© Sebastian Schreiter / Springer Verlag

MINNEAPOLIS. Dass Patienten mit einem Oropharynxkarzinom – meist ein Plattenepithelkarzinom – eine bessere Prognose haben, wenn sie Antikörper gegen die HPV-16-Antigene E6 und E7 im Blut haben, ist schon länger bekannt. US-Onkologen prüften nun in einer bevölkerungsgestützten Studie unter anderem, ob das auch für Patienten mit einem Karzinom der Mundhöhle oder des Larynx zutrifft.

Sie berücksichtigten zudem in einer Untergruppe den p16-Antigentiter – immunhistochemisch bestimmt – als Marker für eine HPV-Infektion. Außerdem wollten sie wissen, welchen Einfluss Rauchen und Trinken in der Anamnese auf die Studienparameter haben.

1000 Patienten untersucht

Dr. Heather H. Nelson von der Universität von Minnesota in Minneapolis und ihre Kollegen werteten in ihrer Studie die Befunde von mehr als 1000 Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren aus, die zwischen 1999 und 2003 sowie zwischen 2006 und 2011 in sieben klinischen Zentren im Großraum Boston versorgt worden waren (JAMA Oncology 2016; online 8. Dezember).

Nach Angaben der Wissenschaftler waren 664 Studienteilnehmer HPV-seronegativ und 390 seropositiv, bestimmt anhand der Antikörper gegen E6 oder E7. Der Anteil der Männer lag bei 68,4 beziehungsweise 86,7 Prozent. Das Durchschnittsalter betrug 59 Jahre. Die Berechnungen ergaben eine sehr starke Assoziation zwischen der positiven HPV-Serologie und dem Fünf-Jahres-Überleben.

Demnach war die Wahrscheinlichkeit, nach diesem Zeitraum noch zu leben, um 67 Prozent größer, wenn Antikörper gegen E6 oder E7 nachweisbar waren, im Vergleich zu negativen Antikörpertests (Hazard Ratio [HR]: 0,33; 95%-Konfidenzintervall zwischen 0,24 und 0,45; p < 0,001). Dabei haben die Wissenschaftler mehrere potenziell verzerrende Faktoren herausgerechnet, unter anderem Rauchen, Alkoholkonsum und Lokalisation des Tumors im Kopf-Hals-Bereich.

Frühere Studien bestätigt

Die HR-Werte für seropositive Oropharynx-, Mundhöhlen- und Larynxkarzinome lagen bei 0,26 (95%-Konfidenzintervall zwischen 0,18 und 0,39), 0,45 (95%-Konfidenzintervall zwischen 0,18 und 0,80) beziehungsweise 0,29 (95%-Konfidenzintervall zwischen 0,10 und 0,85). Die höchsten Fünf-Jahres-Überlebenschancen wurden ermittelt, wenn Patienten seropositiv mit Antikörpern gegen beide HPV-Onkoproteine – E6 und E7 – waren (HR: 0,25; 95%-Konfidenzintervall zwischen 0,13 und 0,48).

Die Ergebnisse zur Serologie und der Assoziation mit dem Fünf-Jahres-Überleben bei Patienten mit Larynx- oder Mundhöhlenkarzinom bestätigen jene früherer Studien zur Analyse von p16 im jeweiligen Tumor. Das Antigen entpuppte sich jedoch nur bei Patienten mit Oropharynxkarzinom als prognostischer Faktor (HR für die E6/E7-Serologie: 0,16; 95%-Konfidenzintervall zwischen 0,03 und 0,47; HR für p16: 0,16; 95%-Konfidenzintervall zwischen 0,03 und 0,46).

Derzeit sei nicht klar, wie die HPV-Erreger das Immunsystem beeinflussen. Nelson und ihre Kollegen postulieren, dass das Virus nicht nur die Karzinogenese antreibt, sondern auch das Immunsystem derart beeinflusst, dass es in der Lage ist, restliche Krebszellen zu erkennen und zu eliminieren. Möglicherweise spiegele die Serologie nicht nur den HPV-DNA-Status wider, sondern eher den Immunstatus, der die Prognose der Krebserkrankung begünstigt.

Steigende Inzidenz

Die Bedeutung des Virus für die Entwicklung von Oropharynxkarzinomen macht ein Blick auf die Inzidenz solcher HPV-positiven Tumoren deutlich. Sie stieg in den USA im Zeitraum zwischen 1988 und 2004 um 225 Prozent, und zwar von 0,8 auf 2,6 / 100.000. Anhand des Stockholmer Tumorregisters wurde zudem ein siebenfacher Anstieg der absoluten Inzidenz von HPV-positiven Tonsillenkarzinomen zwischen 1970 und 2006 entdeckt.

Das entspricht etwa einer Verdoppelung pro Jahrzehnt. Bei 45 bis 70 Prozent der HPV-Positiven sind die Tonsillen betroffen.

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