Ärzte Zeitung online, 02.03.2017

Metastasen

Wie Krebszellen durchs Endothel kommen

HEIDELBERG. Um sich im Körper auszubreiten, nutzen Tumorzellen die Blutbahnen. Dazu müssen sie zunächst die Gefäßwand passieren. Forscher vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und der Medizinischen Fakultät Mannheim der Uni Heidelberg identifizierten nun einen Trick der Krebszellen: Sie aktivieren ein zelluläres Signal in den Gefäßwandzellen. Das erleichtere ihnen die Passage und fördere die Metastasierung (Cancer Cell 2017, online 25. Januar). Diesen Vorgang konnten die Forscher bei Mäusen mit Antikörpern blockieren.

Der Heidelberger Mediziner Andreas Fischer und sein Team hatten in Blutgefäßen von Tumoren überraschend große Mengen der aktivierten Form des Signalmoleküls Notch entdeckt. In Gefäßwandzellen aus Lungen-, Brust- oder Darmtumoren fanden sie deutlich mehr des aktivierten Rezeptors als in den entsprechenden gesunden Organen. Dabei stellten die Forscher fest: Je stärker das Signalmolekül im Tumor-Endothel aktiviert war, desto weiter hatte sich der Krebs bereits ausgebreitet und desto schlechter war die Prognose für die Betroffenen, meldet das DKFZ.

Die Aktivierung des Rezeptorproteins Notch durch seine Bindungspartner sei ein wichtiger Kommunikationsweg, über den benachbarte Zellen Signale austauschen. Vom Fadenwurm über Insekten bis hin zum Menschen steuere Notch die Entstehung der Organe während der Embryonalentwicklung. Beim Erwachsenen reguliere das Signalprotein unter anderem die Aktivität der Blutstammzellen, so die Mitteilung des DKFZ.

Dass fehlgesteuerte Notch-Signale Zellen entarten lassen können, etwa weiße Blutkörperchen zu Blutkrebs, konnten Krebsforscher schon vor einigen Jahren demonstrieren. Mit ihrer aktuellen Untersuchung haben Fischer und seine Kollegen jedoch erstmals nachgewiesen, dass auch die Notch-Aktivität von Zellen der unmittelbaren Umgebung des Tumors einen Einfluss auf die Krebserkrankung hat.

Fischer und Kollegen wiesen an Mäusen nach, dass es die Tumorzellen selbst sind, die im unmittelbaren Kontakt mit den Endothelzellen für die Notch-Aktivierung sorgen. Sie programmieren die Gefäßwandzellen für ihre eigenen Zwecke um und bereiten damit offenbar ihre Ausbreitung im Körper vor: Je stärker Notch im Tumor-Endothel aktiviert ist, desto mehr Krebszellen gelangen dem DKFZ zufolge ins Blut und desto mehr Lungenmetastasen entstehen.

Durch eine Blockade von Notch mit einem Antikörper, der aktuell in frühen klinischen Studien getestet wird, reduzierten die Forscher in Mäusen die Ansiedlung von Krebszellen in der Lunge. Auch die Blockade des Kontaktmoleküls VCAM1 mit einem Antikörper senkte die Anzahl von Lungenmetastasen und drosselte die Einwanderung krebsfördernder Immunzellen in den Tumor. (eb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Der Albtraum vom Nicht-Schlafen

Schlaflosigkeit lässt sich kaum nachweisen. Forscher zeigen: Schlaflose Nächte finden oft nur im Traum statt. Das macht sie nicht weniger belastend, ermöglicht aber neue Therapien. mehr »

Das Kassenpolster wächst und wächst

Die Kassen der Krankenkassen füllen sich weiter: Im ersten Quartal 2018 steht ein Überschuss von über 400 Millionen Euro zu Buche. Zudem fällt das Jahresergebnis für 2017 viel besser aus als gedacht. mehr »

Vergessen Sie keine Labor-Kennnummer!

Mit der Laborreform haben sich Änderungen bei den Ausnahmekennnummern ergeben. Um nicht den Wirtschaftlichkeitsbonus zu gefährden, sollten Sie die neuen Regeln kennen - und insbesondere auf drei Punkte achten. mehr »